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Zufällig hatte der Rezensent zuvor gerade die Memoiren eines anderen Diplomaten gelesen und erkannte diesen ganz speziellen Ton sogleich wieder: den gebieterischen Stolz auf die eigene Karriere und darauf, hinter den Kulissen am Rad der Weltmaschine gedreht zu haben. Aber das genau ist eben auch das Problem dieser Herren hinter den Kulissen. Wären sie Außenminister gewesen, klängen ihre Sätze bescheidener. So aber schnipsen sie die ganze Zeit mit dem Finger und rufen laut: ich, ich, ich. Dabei sieht niemand wirklich gut aus.
Beeindruckende Vita: Studium, statt Semesterferien stets Dienst in der Schweizer Armee, Promotion, Sprachenlernen, bravouröse Examen, Bankjob, danach folgt Karrierestation auf Karrierestation, der Autor erspart uns keine. Er kann aber nicht verhindern, dass man schon bald den Kopf schüttelt ob dieser völlig humorfreien Selbstüberzeugtheit, die sich da über die Seiten wälzt. Borer-Fielding fehlt jeder Abstand zur eigenen Person, jede Selbstironie und damit die Grundvoraussetzung dafür, irgendwie bedeutend zu sein, was er doch so rasend gerne wäre. Traurig kapiert der Leser, dass die fatalste Figur der 80er-Jahre nun auch in der Beamten-Elite der Diplomatie Fuß gefasst hat: der internationale Schnösel. --Michael Winteroll
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Spannend, informativ und keine Spur von falschem Glamour,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Public Affairs (Gebundene Ausgabe)
Zugegeben, ohne den ganzen Rummel um die "Affäre Borer" hätte ich sicher nicht spontan zu diesen "Bekenntnissen" gegriffen - denn dann wüßte ich gar nicht, wer Thomas Borer ist. Nach der Lektüre bin ich klüger: ein heller Kopf, von dem es in der Diplomatie, besser noch in der Politik, mehr geben sollte. Und zwar nicht nur in der Schweiz, sondern auch bei uns in Deutschland. Was der Spitzendiplomat so aus dem Nähkästchen plaudert ist für jedermann interessant, denn die diplomatischen Dienste in aller Welt unterscheiden sich nicht groß. Gerade angesichts des diplomatischen Desasters bei der Irakkrise dieses Frühjahrs ein Top-Thema: Was geht hinter den Kulissen wirklich vor sich? Ich habe viel gelernt über menschliche Eitelkeiten, zähe Bürokratie, Medienkriege und Mobbing. Darüber hinaus weiß ich nun, wie die Musterdemokratie Schweiz mit ihren Volksabstimmungen funktioniert - und wünschte mir, so wäre es bei uns auch. Geschrieben ist das Buch mit pointiertem Witz, der manchen Betroffenen ziemlich alt aussehen lässt, und die Affären-Paparazzi kommen schließlich auch auf ihre Kosten ... Prädikat: absolut lesenswert.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Außergewöhnlich interessant und informativ,
Rezension bezieht sich auf: Public Affairs (Gebundene Ausgabe)
Mal ein Buch von ganz anderer Seite ... Eigentlich wohl auf Grund der allseits bekannten "Affäre" dürfte Herr Borer-Fielding dieses Buch geschrieben haben. Allerdings bietet es äußerst interessante Einblicke in das "Botschafter-Dasein", auch wenn sich manchmal beim Lesen gewisse Zweifel einschleichen, wer wohl hier was richtig stellen möchte. Fünf Sterne wegen der hervorragenden Einblicke und für die mitunter sehr klugen Einstellungen und Lebensweisheiten von Herrn Borer-Fielding.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
I love Borer & Fielding,
Von Fuchs Werner Dr (Zug Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen (#1 HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 50 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Public Affairs (Gebundene Ausgabe)
1. Ich bin ein Borer-Fielding-Fan; 2. Diplomatie hat mit Verhandlungstechnik und daher mit Bewerbung zu tun; 3. Thomas Borer und seine Frau sind Marketingtalente. Diese Rezension ist also alles andere als objektiv. Wer das Zeitgeschehen nicht genau verfolgt oder über wenig Speicherkapazität verfügt, sei daran erinnert, dass Thomas Borer wegen einer angeblichen Affaire als Botschafter der Schweiz aus Berlin abberufen worden war. Und da dieses Ereignis im gleichen Jahr wie das Swissair-Debakel stattfand, trägt das erste Kapitel die Überschrift "Ambassador Grounding". Der damalige Aussenminister der Schweiz, Herr Deiss, beugte sich dem Druck der Boulevard-Presse auf so peinliche Weise, dass ich eine deftigere Abrechnung Borers verstanden hätte. Doch Borer beweist mit seiner Zurückhaltung nochmals, dass seine beruflichen Qualitäten nicht der Grund für seine Entmachtung waren. Jetzt, da er nicht mehr in den Diensten eines hinterwäldnerischen Diplomatenkorps steht, lässt er uns hinter die schweren Eichentüren und auf verstaubte Dossiers blicken. Als Mann mit Stil gibt er selbstverständlich keine geheimen Informationen preis, vermeidet er platte Anschuldigungen und reduziert komplexe Zusammenhänge nicht auf Schlagzeilen. Aber Borer lässt Aussenstehende am Leben eines Diplomaten teilhaben. Und wer sich noch immer über den Sonderfall Schweiz wundert, erhält mit diesem Buch unterhaltsamen Anschauungsunterricht, weshalb in der Schweiz nur die Uhren so ticken wir auf der ganzen Welt. Thomas Borer wurde wohl weniger die erfundene Affaire zum Verhängnis als sein Veränderungwille. Während meiner Auslandjahre kam ich als Direktor einer Schweizerschule oft in Kontakt mit der eigentümlichen Welt der Diplomatie. Hätte ich Borers Bericht schon damals gekannt, wären mir manche Peinlichkeiten und Missverständnisse erspart geblieben. Was Thomas Borer über seine Jahre in Nigeria erzählt, ist Kultur- und Zeitgeschichte pur. Daher empfehle ich sein Buch auch allen, die in solchen Ländern Geschäfte tätigen wollen. Der Rückblick des von den Bürokraten gehassen und geschassten Diplomaten bestätigten meine Vermutung, dass seine Frau dem von Medien vermittelten Bild in keiner Weise entspricht. Aber auch das passte schlecht in die verknöcherte Welt einer arthritischen Diplomatie. Shawne Fielding weigerte sich, die vorgeschrieben Rolle der braven Diplomatengattin zu spielen. Attraktiv, eigenständig und gescheit, das weckt den Neid derer, die ihre Lebensträume einer durchschnittlichen Karriere opfern. Klar, dass die Biographie eines sperrigen Diplomaten zu Widersprüchen reizt. Und auch ich hätte mir gewünscht, dass am Text noch mehr gefeilt worden wäre. Aber lieber lese ich über ungelenkte Passagen hinweg als mich mit perfekten, korrekten und geschliffenen Sätzen zu langweilen. Thomas Borer hat lange vor seinen ehemaligen Amtskollegen begriffen, wie die Gesetze der Medien funktionieren und wie das knappe Gut Aufmerksamkeit gemanagt wird. Ironie des Schicksals ist, dass der Medienjongleur durch die Medien zu Fall gebracht wurde. Die Angst der Sesselkleber und ewig Gestrigen war zu gross, um einen Querdenker in ihren Reihen dulden zu können. Schade nur, dass dies auch Konsequenzen auf den Nachwuchs hat.
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