Der Schweizer Autor Roman Odermatt stellt in seinem History-Thriller Ptolemaeus" zwar keine Verschwörungstheorie, sondern die These auf, dass Jesus von Nazareth und Ptolemaeus ein und dieselbe Person gewesen seien. Der Autor vereint historische Fakten, genealogische Tatsachen und neutestamentliche Überlieferung zu einem opulenten Roman.
Es ist eine Geschichte über den König und Wanderprediger Ptolemaeus, das Imperium Romanum und dessen Provinzen in Nordafrika und Palästina bis zur Tragödie auf Golgatha. Es ist ein Buch über den Zusammenprall zweier Kulturen und die Vergewaltigung einer Nation durch eine andere.
Der History-Thriller behandelt ein dichtes Spektrum an Gefühlen, Stimmungen und Aspekten des Lebens, das inhaltlich und stilistisch überzeugt.
In die Epoche von Jesus versetzt uns Roman Odermatt und offeriert fantasievolle, spannende Unterhaltung. Am Beginn des Romans folgt der Autor den Generationen derselben Familie von Rom bis Palästina. Der Leser sieht die Ereignisse durch die Augen dieser Familie.
Das Konzept der Erzählperspektive sowie der Zugang zu den Geschehnissen wirken wohl durchdacht im Hinblick auf die Figurenkonstellation und den Spannungsaufbau. Auffällig sind die Eindringlichkeit der Sprache und ihre Präzision. Die Handlung wird nicht mit sprachlichen Metaphern überladen, sondern die Geschehnisse kommen unaufdringlich zur Geltung.
Roman Odermatt packt die Gelegenheit am Schopf, eine unerzählte Geschichte zu erzählen. Er hatte nur einen Schuss frei und schrieb das ganz grosse Buch seines Lebens. Der Autor erzählt aus einer historischen Perspektive, aber er konzentriert sich auch auf eine persönliche Geschichte. History dient als Hintergrund, aber es geht um die Menschen. Diese Menschen miteinander zu verknüpfen über Generationen hinweg, erscheint Roman Odermatt wohl als die beste Erzählweise.
Interessant für den Leser ist sicherlich die Feinsinnigkeit, mit der die einzelnen Ereignisse an ihn herangetragen werden. Auf den ersten Seiten erhält man einen guten Einblick in die Atmosphäre, die bei fortlaufender Handlung intensiviert wird. Der Beginn fesselt und lädt zum Weiterlesen ein, ohne dabei in einen aufdringlichen Stil zu verfallen. Der Spannungsbogen ist gut aufgebaut und verbindet den Anfang mit dem Ende harmonisch.
Der Autor erzählt ehrlich aus seiner Perspektive und bringt möglichst viel von der History und der Kultur ein. Dadurch verleiht er dem Ganzen Authentizität. Es gibt grosses Heldentum und grossen Verrat auf beiden Seiten. Eine Herausforderung und eine Freude bei einem solchen Projekt ist das Verweben einer Geschichte mit wahren Menschen und Ereignissen, Akteuren, die den Lesern unbekannt sein mögen. Viele von ihnen, wie Jesus von Nazareth, sind sehr bekannt.
Durch die tiefe Charakterisierung der Figuren des Romans wirken sie glaubwürdig und alltagstauglich. Aufgrund dessen entsteht ein hohes Identifikationspotenzial, das es dem Leser ermöglicht, die im Roman verarbeiteten Gedanken nachzuempfinden. Kurz: Man nimmt Anteil an den Figuren und erlebt mit ihnen deren Höhen und Tiefen.
Roman Odermatt erzählt die Geschichte von Ptolemaeus, der als Jehoschua nach Palästina geht, um ein neues Leben zu beginnen. Die Menschen lesen das Neue Testament und glauben, dass diese Dinge so damals passierten. Das ist sicher eine der grössten historischen Fehlannahmen. Dieses Projekt erlaubt es, tatsächlich zurückzugehen und in die Herzen aller Beteiligten zu schauen. Am Beispiel von Ptolemaeus, einem Mann, der in zwei Welten lebte.
Schon zu Beginn des Romans überstürzen sich die Ereignisse, und die Dramatis Personae lösen ein faszinierendes Abenteuer aus. Dem Leser erschliesst sich die ganze Buntheit der biblischen und römischen Welt.
Thematik und literarische Umsetzung laden von Beginn an zum Lesen ein. Sie haben mich als den verdammtesten Lügner bezeichnet, der je gelebt hat. Das habe ich davon, dass ich die Wahrheit gesagt habe!", so der Autor über seine Kritiker.