'Psychovampire' ist ein ebenso aufschlussreicher wie unterhaltsamer Ratgeber für alle, die sich mit einem weitverbreiteten Phänomen auseinandersetzen wollen: Zeitgenossen, die uns entweder im beruflichen oder privaten Kontext Energie rauben ' uns gewissermaßen 'aus-saugen' wie Vampire, sodass wir uns ausgelaugt, lustlos und frustriert fühlen.
Im ersten Teil des Buches werden insgesamt zwölf 'Psychovampirtypen' identifiziert, die anhand von wahren Geschichten so anschaulich charakterisiert werden, dass der Leser um eine 'Wiedererkennung' nicht herum kommt (und durchaus geneigt ist, dieser Auflistung noch weitere, ihm geläufige 'Typen' hinzuzufügen). Die im Anschluss an die einzelnen Fälle gegebenen Erläuterungen zu den im Kontakt mit den Psychovampiren wirksam werdenden psychologischen Mechanismen, ermöglichen ein besseres Verständnis dessen, worauf es den Autoren wirklich ankommt: klar zu machen, dass letztlich wir 'selbst es sind, die anderen die Macht über uns geben' und dass es an uns liegt, hieran etwas zu verändern.
Nach dieser Sensibilisierung geht es im zweiten Teil des Buches dann um die vertiefende Selbstreflexion und die entscheidende Frage, wie wir uns am besten vor Energieräubern schützen können. Ausgehend von der Feststellung, dass der Vampir von uns zwar als Ursa-che erlebt wird, jedoch lediglich Auslöser eines inneren und meist unbearbeiteten Konfliktes ist, wird verdeutlicht, dass ohne die eigene Angreifbarkeit, die in einem mangelnden Selbst-wertgefühl begründet ist, der erlebte Angriff ins Leere münden würde. Indem wir den Vampir als Ressource begreifen lernen, bietet sich uns die Chance, an der Stärkung unseres Selbstwertes ' oder anders formuliert: unseres psychischen Immunsystems zu arbeiten.
Für alle, die sich hiermit noch nicht beschäftigt haben, dürfte der kurze Exkurs in die Positive Psychotherapie überaus interessant sein. Zunächst werden die drei Hauptprinzipien Hoffnung, Balance und Selbsthilfe beschrieben. Sodann wird das Balancemodell mit den Le-bensbereichen 'Körper und Gesundheit', Beruf und Leistung', 'Beziehungen und Kontakte' sowie 'Zukunft und Sinn' erklärt und der Zusammenhang zwischen innerem Gleichgewicht und gesundem Selbstwert erörtert. Schließlich wird ein fünfstufiges Verfahren der Selbsthilfe, bestehend aus 1. Beobachtung und Distanzierung, 2. Inventarisierung, 3. Situative Ermuti-gung, 4. Verbalisierung und 5. Zielerweiterung vorgestellt.
Auf der Grundlage der Positiven Psychotherapie erhalten wir sodann eine weitere Anleitung zur Selbsthilfe. Praktische Methoden, Techniken und Checklisten bis hin zu Notfalltipps für eine Prävention und Immunisierung in Bezug auf 'vampirische Situationen' und den Umgang mit Psychovampiren zeigen auf, wie man über ein gestärktes Selbstwertgefühl die negativen Effekte zum Positiven wenden kann.
Fazit: Das dem Buch zu Grunde liegende Konzept ist gewollt vereinfachend und damit umso einleuchtender. Es bietet einem relativ breiten Leserkreis konkret Hilfe bei der Bewältigung eines durchaus ernst zunehmenden Problems unserer Zeit: der tägliche Umgang mit Mit-menschen und Situationen, die uns das Leben schwer machen und die für uns Stress be-deuten, weil uns die Kraft der 'Balance' fehlt. Ein Buch, das Möglichkeiten aufzeigt, die Zu-friedenheit im Alltag, im Beruf und im Privatleben zu erhöhen. Ein Buch, das selbst für erfah-rene Berater und Coaches neue Impulse und Anregungen für ihre Arbeit im professionellen Kontext bietet. Absolut empfehlenswert! Susanne Rausch, Karriereberaterin und Coach (29.05.2009)