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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Die Altvorderen der Sozialpsychiatrie kompakt,
Von
Rezension bezieht sich auf: Psychosen verstehen. Modelle der Subjektorientierung und ihre Bedeutung für die Praxis (Broschiert)
Die Altvorderen der Sozialpsychiatrie kompakt -Reinhard Lütjen: Psychosen verstehen - Modelle der Subjektorientierung und ihre Bedeutung für die Praxis Laing, Ciompi, Mentzos, Wulf, Bock . Natürlich sind es nicht alle, sondern nur einige, Altvordere der Sozialpsychiatrie, aber so nebeneinandergestellt und dem Leser zum Vergleich angeboten gibt es sie doch wohl eher selten. Das Buch beginnt - wie immer, mit einer Einleitung. Bemerkenswert fand ich dort den Satz: Eine psychiatrische Behandlung kann nur dann ihren Ansprüchen gerecht werden, wenn die Patientin oder der Patient als gleichberechtigtes Gegenüber angesehen wird, als Mensch mit individuellen Wünschen, Bedürfnissen und Ansichten darüber, was sein Leben sinnvoll macht." Ein Satz aus einem Werk vom Jahre 2007 - 32 Jahre nach der Psychiatrie-Reform - das macht doch nachdenklich. Nicht, dass ich den Inhalt anzweifeln möchte - aber offenbar ist es notwendig, diese Dinge so exponiert hervorzuheben... Das macht mich stutzig. Aber nun erst einmal zum Inhalt: In der Einleitung wird auf den subjekt-orientierten Ansatz aufmerksam gemacht, er wird neben das Empowerment-Konzept gestellt und nach einer gemeinsamen Sprache gefragt. Dann kommt ein Abriss des Inhaltes - so weiß der Leser, was ihn erwartet. Zu Beginn erzählt Reinhard Lütjen die Geschichte von Herrn A. Autofahren ohne Motor" -wie er gelernt hat, einen Menschen zu verstehen im Laufe der Zeit. Mehr sei hier nicht verraten. Vor den Kapiteln über die einzelnen Psychose-Forscher" geht es um Subjekt und Subjekt-Sein. Lütjen erörtert den neuen, in der Sozialpsychiatrie noch ungeklärten Begriff". Subjekt sein heiße erleben, handeln, leiden, zerbrechen, bewältigen". Weiter fragt er, ob das Subjekt in der Postmoderne gar verschwinde. Oder aber durch die Hirnforschung aufgehoben werde... Jedoch kommt er zu dem Schluss, das Subjekt sei nach wie vor die nicht hintergehbare Basis individueller Erfahrung" und beendet das Kapitel mit der geschlechterspezifischen Perspektive. Im nächsten Abschnitt geht es um Intersubjektivität und er beginnt wiederum mit einer Fallgeschichte - der von Frau S., einer Bewohnerin eines Sozialpsychiatrischen Wohnheimes. Dieses Beispiel - es gibt Machtkämpfe hinsichtlich Einhaltung der Hausordnung - zieht sich durch den ganzen Abschnitt, Lütjen erläutert Subjektivität als Dialog, weist auf die Pole von Annerkennung durch den anderen und Zerstörung hin, und der Abschnitt schließt mit einer Überleitung zu den Theoriemodellen der Subjektorientierung. Die folgenden fünf Abschnitte über die bereits oben aufgeführten Psychiater sind sehr übersichtlich und konform aufgeteilt, jeweils mit A = Theoriemodell, B = Vertiefung, C = Menschen - und Psychosebild und D = Praxis. So werden also die Psychiater und Psychologen (Bock) Laing, Ciompi, Mentzos Wulff und Bock mit ihren Theorien und Ansätzen vorgestellt. Wenn man die Beschreibungen dieser unterschiedlichen Theoriebildungen liest, so muss man sie sicherlich in einem geschichtlichen Kontext stellen, um das Besondere dieser Ansätze zu verstehen. Lütjen ist darum bemüht. So ist Laing eher ein Antipsychiater, der mich mit seinem theoretischen Ansätzen von der Angst vor Verschlungenwerden, Implosion und Petrifikation eher verwirrt, mit dem ich aber konform gehe, wenn er schreibt, Psychose sei ein Selbstheilungsversuch, der bei entsprechender Begleitung gelingen könne. Dafür ist er wohl aber auch angegriffen worden. Ciompi, bekannt durch seine Affektlogik wie die Soteria Bern, was gut und verständlich beschrieben wird, reiht sich zu Mentzos, der von der analytischen Seite her die Schizophrenie anpackt". Erich Wulff ist der einzige, der auch eigene Erfahrungen in sein Psychosebild" mit einbringen kann - aus seiner Zeit in Vietnam, so gesehen ist die Innenperspektive, wenn auch sehr dünn, immerhin vertreten. Bleibt noch Bock, der Mit-Erfinder der Psychose-Seminare, der die ganze Krankheitsangelegenheit am meisten hinterfragt und ins Positive zu wenden versteht. Weiter erfährt der Leser dann etwas über Selbstklärung statt Fremdklärung - wieder begonnen mit einem Fallbeispiel: Frau V. - eine Kugel öffnet sich. Ziel einer subjektorientierten Psychiatrie sollte die Selbstklärung sein. Dafür sei die Prämisse das Unterstellen von guten Gründen". Schlussendlich kann man psychotische Lebensbewältigung subjektorientiert begreifen: als Identitätsschutz und Identitätserweiterung. Das Buch schließt mit dem Abschnitt über Praxisperspektiven - da geht es um Subjektorientierung als Haltung", den personenzentrierten Ansatz für die individuelle Gestaltung der Hilfeplanung", Lütjen fragt, ob die Psychoedukation eher eine Schulung für Patienten oder eine Bildung für Klienten sei, einen Abschnitt widmet er dem Trialog, wo sich Expertinnen und Experten austauschen. Mit Erläuterungen über Subjektorientierung und Unfreiwilligkeit" und subjektorientierte Gespräche schließt das Buch. Es gibt noch eine Danksagung, Literaturangaben und eine halbe Seite über den Autor. Ich habe lange überlegt, wem ich dieses Werk empfehlen würde. Den Titel, Psychosen verstehen" halte ich eher für irreführend. Wenn man beginnt, zu lesen, versucht man die unterschiedlichen Erkläransätze der Psychiater zu verstehen -was eine Psychose eigentlich ist, nämlich ein geistig-körperlich-seelischer Ausnahmezustand, der auch wieder abklingt und sich in bestimmten Lebenssituationen bei psychosefähigen Menschen eben einstellt, der begleitet werden will und der insofern nicht therapiert", sondern nur durchlebt werden kann - das steht in dem Buch eigentlich eher weniger. Möchte jemand in die Geschichte schauen und etwas über unterschiedliche Theoriebildungen erfahren zum Thema, so ist dieses Buch sicherlich ein guter Griff. Lütjens Arbeit verdient Respekt - mag sein, dass die von ihm so hervorgehobene Subjektorientierung für mich einfach eine absolute Selbstverständlichkeit ist und schon immer war - nachdem ich über eine 32-jährige Erfahrung mit dieser sogenannten Krankheit, die keine mehr ist, wenn man gelernt hat, mit ihr zu leben, verfüge, also selber das sogenannte Subjekt bin, dass sich von Innen heraus als völlig normal und in sich gesund versteht - ja, dann.... ... möchte ich den potentiellen Lesern dennoch nicht die Freude auf dieses Buch nehmen und es trotz allem: Empfehlen! Ursula Talke, Berlin Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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