Speziell für die Durchführung von "offenen Gruppen" , d.h. mit wechselnder Teilnehmer-Zahl/-Zusammensetzung,ist dieses Buch gedacht. Damit setzt es sich zu den auf dem Markt angebotenen Gruppenprogrammen, die in der Regel ein mehrwöchiges, festes Gruppensetting erwarten, ab.
Es ist als "niederschwelliges" Angebot konzipiert, um die Hemmschwelle, die bei sehr vielen SchmerzpatientInnen gegenüber psychologischen Themen besteht, zu überwinden.
Zielgruppe sind PatientInnen mit unterschiedlichen Schmerzerkrankungen von mindestens einem halben Jahr Dauer (chronische Schmerzen). Beispielhaft hat die Autorin dabei die Fibromyalgie, Rücken- und Kopfschmerzen, Schmerzen im Zusammenhang mit Traumata und Operationen sowie psychogene Schmerzen aufgelistet.
Es werden 10 thematisch voneinander getrennte Sitzungen dargestellt, die je nach Gruppeninteresse ausgewählt werden können: Atem, Muskelspannung und die Technik der Progressiven Relaxation, Visualisierungstechnik zur Schmerzbeeinflussung, Stimmungstiefs, Somatisierung, Stress und Stressbewältigung, Einsamkeit sowie Paar- und Beziehungsprobleme.
Jedes Thema ist so aufbereitet, dass zunächst für den Kursleiter/die Kursleiterin ein kursorischer Überblick zum Thema gegeben wird. Dann beginnt der sogenannte "Info-Teil", der in Form eines Kurzvortrages zum Ablesen präsentiert wird. Unterbrochen wird der Text durch Hinweise auf Fragen für ein Gruppengespräch. Außerdem sind sogen. "Info-Kästen" mit vertiefender Fach-Informationen eingebaut. Sie hat begleitend dazu "Info-Blätter" und "Arbeitsblätter" zu jedem Thema entwickelt. In jedem Kapitel wird eine Entspannungs-/Wahrnehmungsübung angeboten. Jedes Kapitel endet mit Literaturempfehlungen für den Leiter/die Leiterin und interessierte Laien.
Es fehlt nicht der Hinweis darauf, den TeilnehmerInnen bei hohem Leidensdruck und begrenzter Möglichkeit, vom Angebot in der Gruppensitzung zu profitieren, eine/n Psychotherapeutin/en aufzusuchen und entsprechende Adressen in der Umgebung zur Verfügung zu stellen bzw. Anlaufstellen zu nennen.
Sowohl die Themenauswahl als auch deren inhaltliche Aufbereitung sind sehr nah an den Alltagserfahrungen von SchmerzpatientInnen orientiert. Die Übungen knüpfen am jeweiligen Thema an und erlauben somit eine Konsolidierung des Themas. Außerdem bieten die erstellten Arbeits- und Infoblätter die Möglichkeit der Vertiefung in Eigenregie.
Sprachlich hat sich die Autorin ganz auf die Betroffenen eingestellt. Nicht belehrend, sondern einfühlsam und an deren Erfahrungen anknüpfend versucht sie, ihnen neue Ideen und Perspektiven zu eröffnen und sie zu Experten in eigener Sache" zu machen. Gleichzeitig hat sie auch die KursleiterInnen im Blick, wenn sie immer wieder Hinweise und Informationen gibt.
Kritik ist zu üben bei der inhaltlichen Ausgestaltung mancher Übung, wo ein thematischer Sprung die Entspannungswirkung aufheben könnte wie auch an einzelnen Info-Blättern. So z.B. das Info-Blatt über Unterschiedliche Formen der Psychotherapie", bei dem einige Ungenauigkeiten bei der Darstellung bestehen.
Das schmälert aber in keinem Fall das Gesamturteil.
Zielgruppe sind lt. Autorin nicht nur Diplom-PsychologInnen, sondern auch Physio- und ErgotherapeutInnen sowie Pflegekräfte, die dieses Konzept in ihrer Arbeit nutzen möchten. Dabei kann es sowohl für schon längerzeitig mit SchmerzpatientInnen Arbeitende, die neue Anregungen für die Stundengestaltung oder Arbeitsmaterialien suchen, wie auch für BerufsanfängerInnen dienen, damit sie für die Fülle an Einwänden und Kritik aber auch Verzweiflung, die SchmerzaptientInnen häufig mit sich tragen, gewappnet sind.
Insgesamt handelt es sich um eine außerordentlich gelungene Umsetzung, ein "pragmatisches Konzept" (siehe Untertitel) den mit Schmerzbetroffenen arbeitenden KollegInnen an die Hand zu geben.