Wenig, dafür richtig - dies scheint das Motto beim Verfassen dieses Werkes gewesen zu sein. Bailey beschränkt sich auf die Beschreibung von 35 Mitteln, gibt diesen aber genügend Raum, um ein vollständiges, 'ganzheitliches' Bild entstehen zu lassen. Behandelt werden ausschließlich Konstiutionsmittel, d.h es handelt sich hier nicht um ein Nachschlagewerk, das versucht, den unterschiedlichsten akuten Symptomen jeweils ein passendes Mittel zuzuordnen. Vielmehr werden Persönlichkeitsprofile behandelt und zugeordnet, so daß die Totalität aller geistigen und körperlichen Symptome über einen längeren Zeitraum und eben nicht vorübergehende Veränderungen während akuter Erkrankungen abgedeckt werden.
Jedem der 35 Mittel wird ein 'Grundzug' zugeordnet, z.B.: Alumina: geistige Labilität; Natrium muriaticum: unterdrückter Seelenschmerz; etc. Bei den ausführlichen, extrem breit und tief schürfenden Beschreibungen läßt Bailey keinen Aspekt und keine Sichtweise aus. So lesen sich die Unterkapitel zu Natrium muriaticum wie folgt: Ursprünge; Verschlossene Eltern, verschlossenes Kind; Das rebellische Kind; Nachsichtige Eltern, anhängliches Kind; Kontrolle; Geben und Selbstverleugnung; Perfektionismus und Arbeitswut; Positives Denken; Der Rebell; Moral und Sexualität; Schauspielerei; Der Natrium-Experte; Der Snob; Depression; Der Clown; Der Süchtige; Emotionale Intensität; Sentimentalität; Ängste und Phobien; Der gesunde Natrium; Zusammenfassung; Natrium-Charakteristika.
Nicht jedermanns Sache ist die Neigung des Autors zur Psychologen-Psychose, d.h. hinter allen Anomalien gleich zu wenig Liebe in der Kindheit oder Mißbrauch zu vermuten und die gesamte Menschheit für therapiebedürftig zu halten.
Von unschätzbarem Wert ist dagegen der Anhang, der eine Zuordnung der Konstitutionstypen zu den Elementen vornimmt. Dabei wird nicht nur ein Element berücksichtigt, sondern alle - in der Reihenfolge ihrer Ausprägung von dominant über zweites und drittes bis schwächstes. Vorausgesetzt die Zuordnungen stimmen, findet sich hier ein unbestechliches, weil objektives Hilfsmittel zur Bestimmung des eigenen Konstitutionstyps (oder zumindest zur Einschränkung auf sehr wenige in Frage kommende Typen) für dessen negative Ausprägungen man ja in aller Regel eine bemerkenswerte Eigenblindheit besitzt. Daher kann dieses Buch eine große Hilfe auf dem steinigen Weg zur Selbsterkenntnis werden, vorausgesetzt man will diesen Weg überhaupt gehen. Wer eher gute Gründe dafür sucht, dies nicht zu tun, dem sei als Alternative das Buch von OWK (Autor) über 'Erleuchtung' empfohlen.