In den dreißiger Jahren hielt P.D. Ouspensky wohl eine Reihe von "einführenden" Vorträgen in London, die in diesem kurzen Büchlein zusammengetragen sind. Sie sind auch unter dem Titel "Vom inneren Wachstum des Menschen" bekannt. Im Wesentlichen finden sich darin keine Themen oder Aussagen die nicht auch im "Vierten Weg" vorkommen. Wer dieses Werk also gelesen hat, wird kaum wirklich Neues finden. Wer ein Fan ist, wird sich das Büchlein sicherlich trotzdem gerne durchlesen. Für diejenigen die mit Ouspensky überhaupt nicht vertraut sind, wage ich eine kurze subjektive Zusammenfassung, allerdings ohne irgendeine Gewähr darauf zu geben ob ich die wichtigsten Punkte richtig wiedergebe. Ouspensky beschreibt eine Reihe von Ideen, die eine mögliche Entwicklung des Menschen ermöglichen sollen. Die Kernaussagen sind zweierlei. Erstens: Der Mensch wird als ein Wesen betrachtet, das normalerweise wie eine "Maschine" funktioniert. Das soll heißen, dass wir in unserem normalen Wachbewußtsein kaum eine freie Wahl haben und mehr oder weniger automatisiert reagieren und handeln. Als Mittel zur Weiterentwicklung wird Gewahrsein genannt, für das er ein gut beschriebenes System zur Einordnung des Beobachteten angibt. Er beschreibt verschiedene "Zentren", die verschiedene Aufgaben erfüllen sollten und im Normalfall nicht ihren wirklichen Aufgaben nachkommen, was zu zahlreichen Problemen führt. Die Aussage, dass die verschiedenen Zentren mit stark unterschiedlichen Geschwindigkeiten arbeiten ist ein wesentlicher Punkt, der viele Phänomene psychologischer Art erklären kann. Zweitens: Der Mensch hat kaum eine Chance ohne fremde Hilfe wirklich weiterzukommen, weshalb Ouspensky immer wieder auf die Notwendigkeit einer "Schule" hinweist, die gewisse Kriterien erfüllen muss. Ouspensky schreibt sehr klar und intellektuell anspruchsvoll (subjektives Urteil). Seine Beschreibungen und Definitionen haben etwas mathematisch exaktes und sprechen daher wohl ehr Menschen an, die einen intellektuell analytischen Zugang bevorzugen. Ich persönlich schätze gerade den "Vierten Weg" sehr, allerdings hat mich sein Beharren auf die Notwendigkeit von Schulen immer abgeschreckt. Auch empfinde ich einige seiner Aussagen, z.B. hinsichtlich der evolutionären Entwicklung des Menschen, aus meiner Sicht schlichtweg als falsch. Alles in allem, sehr lesenswert für Leute, die einen intellektuellen Zugang zu "esoterischen" Themen suchen, in dem Sinne, dass sie glauben, dass der Mensch ein Potential zu mehr als dem gewöhnlichen Leben haben könnte.