Psychologie des Spiels", ein handlungsorientierter Ansatz, lässt die Erwartung hochschnellen und umso tiefer ist die Enttäuschung.
In 1.2. Spiel: eine besondere Art der Handlung" wird die Zweckfreiheit" behauptet und das Flusserlebnis" in den Vordergrund gestellt. Nun mag dies zwar modern klingen, ist aber Unsinn, denn jedes Spiel dient einem Zweck, das Fußballspiel u.a. dem Tore schießen, da Klavierspiel dem Musizieren, und viele andere Spiele dem einen Zweck, nämlich Spaß zu haben. Ob dabei ein Flusserlebnis entsteht, mag von der Virtuosität des Spielers abhängen, aber es ist der Zweck um den es geht und nicht das Flusserlebnis.
Oerter wandert im Folgenden durch zusammenhangslose Konstrukte, die ihm weder der Handlungstheorie noch dem Spiel näherbringen, fast hat es den Anschein als seien hier mehrere studentische Diplomarbeiten in abenteuerlicher Sortierung in ein Buch gepresst worden. In Teil IV behauptet er das Kind spielt nicht um zu lernen". Warum er dies behauptet und auf welche Belege er sich stützen möchte, bleibt unklar.
So hofft man schließlich auf ein wenigstens komplettes Literaturverzeichnis, um sich weiter in das Thema einarbeiten zu können. Aber auch hier wird man enttäuscht. Das Sach- und Personenregister ist ebenso willkürlich wie inkomplett. Die Bedeutung des Spiels in z.B. der Mikropolitik (Oswald Neuberger) kommt bei ihm nicht vor (obwohl handlungstheoretisch bedeutsam). Der Großmeister des Faches Johan Huizinga (Homo Ludens) ist ihm einen Satz im Anhang wert.
Ein trauriger Versuch in kurzer Zeit ein dickes Buch zu schreiben und Generationen von Studenten darunter leiden zu lassen.