Pluspunkte: Der Aufbau des Buches ist logisch, was bei so manch anderem Buch nicht der Fall ist. Lukesch erklärt zunächst einmal Begriffe wie "Ultrakurzzeitgedächtnis", "Aufmerksamkeit" und den Weg vom UKZ zum Kurzzeitspeicher, dann das Langzeitgedächtnis. Erst dann widmet er sich Themen wie "Konditionierung", "Operantes Lernen", "Lernen am Modell", "Problemlösung" usw. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass er wohl alle relevanten Themen der Lernpsychologie behandelt und nichts auslässt. Gut finde ich auch, dass alles mit interessanten Versuchen belegt ist.
Ein ganz großer Minuspunkt ist die Sprache. Ich lese manches Kapitel zwei bis drei Male und selbst dann bin ich nicht sicher, ob ich das so alles richtig verstanden habe. Schwerfälliger und komplizierter kann man sich wohl wirklich nicht mehr ausdrücken. Lukesch schafft es somit eigentlich einleuchtende Vorgänge und Versuchsergebnisse sprachlich so zu massakrieren, dass einem die Freude am Lesen vergeht und das Thema unnötig verkompliziert wird. An manchen Stellen musste ich gar lachen, denn einige Sätze und Ausdrucksweisen muten schon fast pseudowissenschaftlich an, nach dem Motto "wie drücke ich einen einfachen Sachverhalt so aus, dass er möglichst "wissenschaftlich" klingt und der Leser am Ende nicht weiß, ob er was weiß". Außerdem fehlen mir an mancher Stelle die Bezüge zum Alltag. Ein schönes Beispiel würde an mancher Stelle die Sache auflockern, spannender machen und evtl. auch das VErständnis fördern. Stattdessen wird man mit Versuchen, pardon, "zugemüllt". Auch eine kleine Zusammenfassung, optisch ansprechend und "hirngerecht" dargeboten, wäre klasse. Gerade ein Psychologe, der gleich zu Beginn auf das "visuelle Ultrakurzzeitgedächtnis" hinweist, müsste doch wissen, wie man so ein Buch strukturiert.
Ich erwarte kein Kindergartenniveau, aber gäbe es ein anderes verständlicheres und besser aufgemachtes Buch zum gleichen Thema auf der Liste zum Staatsexamen - ich würde den Lukesch in die Tonne treten. Das Buch ist der beste Beweis dafür, dass Theorie und Praxis oft weit auseinanderliegen und spiegelt die deutsche Hochschullandschaft wieder. Viel Lärm um nichts.