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Plato, Christus, Freud
lx. Bei wirklich berühmten Menschen gibt es wohl kein lebensgeschichtliches Randereignis, das nicht genau untersucht und protokolliert wäre. So ist gezählt worden, dass genau hundertsiebenunddreissig führende Schriftsteller und Künstler, darunter Pablo Picasso, Arthur Schnitzler und Thomas Mann, 1936 ihre Geburtstagswünsche an den 80jährigen Sigmund Freud geschickt haben. Wenn man den Beginn der Psychoanalyse mit 1895 einsetzen lässt (das Jahr, in welchem Freud den « Entwurf einer Psychologie » ausarbeitete und zusammen mit Josef Breuer die « Studien über Hysterie» herausgab), so ging die neue Weltsicht 1936 erst ins einundvierzigste Lebensjahr, was ein bescheidenes Alter genannt werden kann. Unaufhaltsam hat sich seither der Einfluss der Psychoanalyse in Alltag und Wahrnehmung eingebracht; ihr Einfluss auf Human- und Sozialwissenschaften ist unüberschaubar. Der amerikanische Philosoph Richard Rorty hat das Ausmass der Rezeption von Freud sogar mit demjenigen von Plato und Christus verglichen mit dem Unterschied allerdings, dass für die weltweite Verbreitung von Freuds Ideen nicht einmal ein Jahrhundert vonnöten war. Der Münchner Psychologe Wolfgang Mertens hat sich dem Wagnis gestellt. «Geschichte und Methoden» des Jahrtausendphänomens Psychoanalyse in einem schmalen Bändchen darzustellen. -- Neue Zürcher Zeitung
Professor Dr. Wolfgang Mertens lehrt Klinische Psychologie mit Schwerpunkt Psychoanalyse an der Ludwig-Maximilians-Universität München. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .
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