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Psychoaktive Drogen weltweit
 
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Psychoaktive Drogen weltweit [Broschiert]

Gereon Janzing
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Produktinformation

  • Broschiert: 160 Seiten
  • Verlag: Piepers Medienexperimente (2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3930442515
  • ISBN-13: 978-3930442515
  • Größe und/oder Gewicht: 20,4 x 14,6 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 708.759 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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28 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Gereon Janzings Gesamtschau klärt auf und läßt staunen

Welches ist die am meisten verbreitete Droge? Der Tabak bzw. das Nikotin? Alkohol? Oder etwa Kaffee und Tee? Weit gefehlt! Es ist der Zucker. Wenn nämlich als Drogen ausnahmlos alle Substanzen gelten sollen, die Einfluss auf die menschliche Psyche haben, dann sind die Saccharose und andere Zuckerarten, die den Spiegel des Hirn-Botenstoffes Serotonin erhöhen, das globale Aufputschmittel und Antidepressivum. Anders als die meisten Drogen kommt Zucker in sehr vielen verschiedenen Pflanzen vor. Bei allen Völker sind Süssigkeiten bekannt. Während sie bei einigen eine nur geringe Rolle spielen, werden sie von anderen bis zum Exzess verzehrt. Mit seinem Buch "Psychoaktive Drogen weltweit" ist dem Ethnobotaniker Gereon Janzing ein großer Wurf gelungen. Er hat eine umfassenden Überblick über alle bekannten Drogen, ihre natürliche Erscheinung, Weiterverarbeitung, Herstellung, Anwendung und Wirkungsweise sowie ihre Risiken geliefert. Sein wichtigstes Verdienst ist jedoch seine kompromisslos aufklärerische Grundhaltung. "Jeglicher Kampf gegen Drogen", so die These des Autors, "ist ein Kampf von einer Kultur gegen eine andere." Manchmal endet dieser Kampf mit der Vernichtung einer Kultur. Doch die unvoreingenomme Auseinandersetzung mit der Vielfalt der Drogen zeigt, dass sie ein Teil des geistigen Erbes der Menschheit sind. Der Fliegenpilz wird bei den Ureinwohnern Sibiriens geschätzt. Getrocknet und danach wieder in Rentiermilch oder Beerensaft eingelegt, nutzen ihn die Schamanen für ihre "Seelenreisen ins Jenseits", heftige Erregungszustände, auf die ein traumreicher Schlaf folgt. Da die sowjetischen Behörden den Schamanismus unterdrückten, wurde auch der Fliegenpilzkonsum verschwiegen. Inwieweit er heute noch lebendig ist, darüber ist nur wenig bekannt. Die Gefahren dieses Pilzes liegen in der Dosierung, da der Anteil seiner giftigen Inhaltsstoffe je nach Fundort und Jahreszeit variiert. Auch Peyote hat eine bewegte Geschichte. Der Kaktus, der im Norden Mexikos und im Süden der USA wächst, enthält mehr als 40 Alkaloide, darunter das halluzinogene Mescalin. Anfänglich war er bei den Azteken, Tarahumara und Huichol geläufig. Im 19. Jahrhundert vebreitete sich der Peyote-Kult bei den Indianervölkern im Mittelwesten der USA. 1918 wurde auf seiner Basis die "Native American Church" gegründet, in der sich indianisches Gedankengut mit christlichen Vorstellungen verband. Protestantische Missionare verfolgten den Kult erbittert und behaupteten, dass Peyote süchtig mache. Dabei hat der gemeinschaftliche Gebrauch dieser Droge oft dazu beigetragen, den Alkoholismus zu besiegen! Cannabisprodukte wie Haschisch und Marihuana sind in den westlichen Industrienationen noch immer geächtet. Hingegen werden hier stark koffeinhaltige Limonaden trotz erwiesener Schädlichkeit Kindern verabreicht, werden starke Schlafmittel von manchen Ärzten erschreckend großzügig verschrieben. Offenbar beruht das Verhältnis unserer Gesellschaft zu den Drogen auf wirtschaftlichen und sozialen Machtinteressen. Deshalb, so der Autor in seiner Schlussfolgerung, lassen sich Suchtprobleme auch "nicht mit moralisierenden Warnungen und Abstinenzforderungen" lösen. Wenn wir den Drogenmissbrauch wirklich verhindern wollen, dann nur durch das Vorleben eines souveränen Umgangs mit allem, was abhängig machen kann. Während der Rezensent nur wenige Beispiele herausgreifen konnte, ist Janzings Buch eine schier unerschöpfliche Fundgrube, die erstaunliche Einblicke in fremde Kulturen und auch in die eigene gewährt. Ärgerlich nur, dass das detaillierte Stichwortverzeichnis beim Setzen nicht mit den aktuellen Seitenzahlen versehen wurde. Hoffentlich wird diesem Werk bei einer zweiten Auflage die etwas liebevollere Aufmachung zuteil, die es verdient!

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