Hab am Freitag noch das letzte Exemplar in unserer Buchhandlung bekommen, dort war wegen des großen Medienechos schon alles ausverkauft. Habe das Buch dann am Wochenende in einem Rutsch ausgelesen. Teilweise habe ich Tränen gelacht und bin jetzt ein gutes Stück schlauer. Es ist schockierend, wie viel wir über alles Mögliche wissen, aber nicht über uns selbst! Jeden Tag ticken wir (und alle anderen) nach ganz bestimmten Regeln. das wäre eigentlich ein Grund, sich schon lange mit diesen Regeln befasst zu haben, ich kann nur selbst staunen, warum ich dazu erst 38 werden musste... Na ja, es ist ja nie zu spät.
Das Buch behandelt schätzungsweise 70 psychologische Alltagsphänomene. Jedes Kapitel beginnt mit einem lustigen Beispiel/einem lustigen Test, in dem man sich schon meistens sofort wieder erkennt. Dann folgt die Erklärung. Es wird nicht nur der Effekt genannt, sondern auch ausführlich erklärt, WARUM wir so ticken. Das ist ja das eigentlich Interessante.
Ein Beispiel, wie das Buch funktioniert: Das "Ähnlichkeitsprinzip" kennen viele (wir mögen Menschen lieber, die so ähnlich sind wie wir), aber WARUM genau das so ist, wusste ich nicht: Zum einen ist unser Gehirn faul und findet daher alles sympathisch, was es kennt - und uns selbst kennen wir eben am besten. Zum anderen bekommen wir Selbstbestätigung und Anerkennung über Menschen, die so sind wie wir. Das Buch stellt dann auch immer die Querverbindungen her: Weil unser Gehirn faul ist, sind wir zum Beispiel auch viel anfälliger für Vorurteile, als wir denken. Ein Test im Buch beweist, dass JEDER die krassesten Vorurteile mit sich rumschleppt. Und weil wir so auf die Zuneigung anderer fixiert sind, lieben wir sie automatisch zurück, wenn wir hören, dass wir von ihnen gemocht werden (die "reziproke Zuneigung"). Alles wird durch Experimente und Quellenangaben aus der wissenschaftlichen Literatur belegt. Manche Experimente sind echt verblüffend: So lässt sich zum Beispiel nachweisen, dass wir Partner sogar danach auswählen, ob sie ähnliche Gesichtszüge haben wie wir selbst (die Gesichtszüge lassen sich auch zwischen Mann und Frau mit dem Computer "umrechnen"). Am Schluss jedes Kapitels gibt es ganz konkrete Tipps, wie man das Phänomen für den Alltag nutzen kann: Ob die neue Bekanntschaft was zum Heiraten oder eher was für eine Affäre ist, lässt sich mithilfe der Ähnlichkeitsparameter bestimmen. Auch wenn wir von jemandem was wollen, können wir das Ähnlichkeitsprinzip nutzen, indem wir die Gemeinsamkeiten bewusst suchen und herausstellen: Wenn Sie mit Ihrem Chef eine Gemeinsamkeit finden, z.B. dass Sie beide gern Maultaschen essen, und diese Gemeinsamkeit oft genug betonen, dann werden Sie am Ende eher befördert, weil er Sie lieber mag als die Kollegen. Oder Sie bekommen die neue Wohnung leichter, wenn Sie vor der Besichtigung ein bisschen was über den Vermieter im Internet recherchieren und dann ansprechen, dass Sie offenbar beide gern Tennis im Club spielen.
Auf diese Weise behandelt das Buch zig Phänomene, immer in lockerer, lustiger Sprache (und ja, die AUtoren sind auch nett anzuschauen, ich gebs ja zu...;)). Bin rundum begeistert!