Nicht jeder auffällige" Mitarbeiter muß gleich eine
psychische Störung haben. Ein gelegentliches Leistungs-
tief oder eine miese Stimmung sind keine ausreichenden
Belege dafür, daß der Kollege medizinische oder
Therapeutische Hilfe benötigt.
Umso wichtiger ist es, Anzeichen richtig zu deuten
Und dort angemessen zu reagieren, wo es nötig ist.
Ina Riechert ist es mit ihrem Titel gelungen, ausgewählte psychische Störungen bedarfsgerecht und zielgruppenorientiert darzustellen, ohne den Leser mit Fachvokabular zu überfordern. Psychische Fehlbelastungen können Wegbereiter sein bis hin zur Krankheit. Allerdings macht sie auch klar, daß es durch unterschiedliche Bewältigungsstrategien zu verschiedenen Resultaten kommt. So erkrankt nicht jeder Mitarbeiter aufgrund Überforderung oder Fehlbelastung. Vielmehr bestätigt die Forschung, daß es Risikofaktoren gibt, die eine Störung begünstigen.
Der Titel ist kein Diagnose-Tool. Es richtet sich an Vorgesetzte und Personaler, die frühzeitig Anzeichen einer Dysbalance erkennen lernen und dann eingreifen können. Sie sind daher oft erste Station professioneller Wegbegleiter. Ein Vorteil kommt hinzu: Vorgesetzte kennen ihre Mitarbeiter oft hinreichend gut, um Verhaltens- oder Wesensveränderungen zu bemerken. Ihnen fällt daher im sensiblen Umgang mit dem Mitarbeiter eine wichtige Aufgabe zu. Allem voran stellt Riechert das Prinzip der gesundheitsförderlichen Führung".
Hilfreiche sind die zahlreichen Veränderungsmerkmale, die auf eine psychische Fehlbelastung hinweisen können: Arbeitsverhalten, Leistungsverhalten, Sozialverhalten, Alltagsbewältigung usw. Fallbeispiele ergänzen die theoretischen Darstellungen und schaffen einen praktischen Bezug zum Arbeitskontext. Hier kann der Leser schnell feststellen: So was hatten wir doch auch schon mal...."
Einen sehr umfangreichen Teil widmet die Autorin der Prävention. Besser ist, es kommt erst gar nicht zu Leistungsbeeinträchtigungen. Und da die Therapie in fachliche Hände gehört, obliegt dem Betrieb, vorbeugende Maßnahmen zu übernehmen und eine gesunde Unternehmenskultur zu etablieren. Zahlreiche Beispiele geben dem Leser Anregungen, innerbetriebliche Initiativen zu ergreifen und ein Gesundheitsmanagement einzuführen. Ob Geschäftsführung, Betriebsrat, Vorgesetzte oder Personalabteilung, an vielen Stellen (im Idealfall gemeinsam) kann vorbeugend und unterstützend Einfluß genommen werden.
Für den praktischen Einsatz sehr hilfreich sind die vielen Checklisten, die auch online abrufbar sind. Ob Gesprächsleitfäden oder Checklisten zur Erhebung der Arbeitssituation, die Arbeitsunterlagen ermöglichen den sofortigen Einsatz und unterstreichen damit die Botschaft des Buches: Nicht abwarten sondern handeln ! Ein wichtiger Titel für den Berufsalltag.