Durch veränderte Rahmenbedingungen in Unternehmen treten körperliche Belastungen immer weiter in den Hintergrund, während die psychischen Belastungen immer stärker zunehmen. Daher wird es für Arbeitgeber und deren Führungskräfte immer wichtiger, sich, insbesondere im Rahmen der Fürsorgepflicht, mit dem Thema der psychischen Belastungen zu beschäftigen.
Zunächst einmal wird, mittels zweier Fallbeispiele (Druckerei und Call-Center), auf die Themen Beanspruchung und Über- und Unterforderung eingegangen. Danach folgen apersonale Belastungsfaktoren, die durch Einflüsse im äußeren Arbeitsumfeld ausgelöst werden. Dazu zählen das Sick-Building-Syndrom (SBS), welches auch anhand von Fallbeispielen erläutert wird, sowie Klima, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Beleuchtung und Lärm.
Im nachfolgenden Kapitel "Interpersonale Belastungsfaktoren" geht es dann um viele interessante Themen, denn am Arbeitsplatz ist die zwischenmenschliche Situation dadurch geprägt, dass dort auch Personen miteinander zurecht kommen müssen, die sich privat eher aus dem Wege gehen würden. Zudem kommt es häufig auch zu einer starken Konkurrenz um Ressourcen, Anerkennung und Aufstiegschancen, die Konflikte begünstigen. So leiden z.B. Führungskräfte häufig unter Rollenkonflikten, da sie eine "Sandwichposition" einnehmen. Weitere Konflikte, die betrachtet werden sind: Entscheidungs-, Verteilungs-, Wert- und Ziel-, Sach- und Beziehungskonflikte. Aber es bleibt nicht einfach beim Aufzählen der unterschiedlichen Konflikte, sondern man bekommt konkrete Hilfe zur Konfliktanalyse und zum sachgerechten Verhalten in solchen Situationen mittels den Harvard-Grundsätzen der Verhandlungen.
Natürlich darf auch nicht das Thema Mobbing fehlen. So wird, anhand von Fallbeispielen, genau dargestellt, was Mobbing eigentlich ist. Mehr als bedenklich stimmen dann die Informationen aus diversen Mobbingstudien: Fast alle Mobbingaktivitäten hielten über ein Jahr an und die Opfer hielten dies ebenso lange aus. Studien zeigen, dass über 50 Prozent der Mobbingfälle von Vorgesetzten ausgehen oder sie unter ihrer Mitwirkung stattfinden. Erschreckend ist, dass von Mobbing am stärksten die unter 25-jährigen betroffen sind und Frauen hierbei ein größeres Risiko haben, als Männer. Allerdings wird im Buch auch eins deutlich: Mobbing kann jeden treffen. Dieser Abschnitt geht weiterhin auf die klassischen Phasen eines Mobbing-Verlaufs ein. Er deckt die Ursachen auf, stellt die Auswirkungen (körperliche und psychische Probleme) von Mobbing dar und zeigt Ansätze für Hilfen und Präventionen auf.
Sehr wichtig fand ich auch das Thema sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, weil auch hier wieder die Abgrenzung (was ist ein Flirt und was ist eine Belästigung) schwierig ist und dem Opfer oftmals Halluzination oder Wunschdenken (Die hätte das wohl gerne") oder fehlender Humor (Die versteht ja keinen Spaß") unterstellt wird. Erschreckt hat mich das Ergebnis einer Studie, dass 72 Prozent aller befragten Teilnehmerinnen sexuelle Erfahrungen und Belästigungen am Arbeitsplatz erlebt haben. Auch hier sind wieder, wie beim Mobbing, die ganz jungen Frauen, nämlich 49 Prozent der 18-19 jährigen betroffen. Typische Opfer sind somit junge Frauen, die neu im Betrieb und leicht zu verunsichern sind. In den meisten Fällen handelt es sich um eine Machtdemonstration der Täter, die meist zwischen 40 und 50 Jahren alt, verheiratet sind und Kinder haben (!). Es folgt eine Darstellung von Lösungen, die man als Betroffene/r ergreifen kann und es ermuntert auch alle anderen, sich mit der Thematik auseinander zu setzen.
Es folgt eine Darstellung zum Thema "Kritische Lebensereignisse und ihre Stressrelevanz" und wie man diesen Problemen begegnen kann. Danach geht es um das Thema Burnout. Hier werden wieder die unterschiedlichen Stadien (inklusive Fallbeispiel) und Ursachen des Burnouts aufgezeigt und es gibt einen Fragebogen zur Erkennung eines Burnouts. Das nächste Thema ist die Arbeitssucht, wo erstmals genau geklärt wird, was Arbeitssucht ist und was nicht, weil auch hier wieder die Grenzen fließend sind. Zudem gibt es unterschiedliche Typen von Arbeitssüchtigen, was die Einteilung nicht leichter macht. Anhand eines Fragebogens kann man erkennen, ob man bereits arbeitssüchtig ist oder nicht. Da Arbeitssucht in den meisten Fällen von den Unternehmen nicht erkannt, sondern sogar geduldet wird, wird auch noch einmal auf die betriebswirtschaftlichen Risiken für das Unternehmen hingewiesen und auf die Wichtigkeit, eine Work-Life-Balance zu fördern.
In den nachfolgenden Kapiteln geht es dann darum, wie die Arbeitssituation aufgrund von Tests oder Beobachtungen analysiert werden kann und wie Arbeitsschutzmanagementsysteme (AMS) in den Betrieb integriert werden können. Auch die Rolle der Führungskraft wird beleuchtet. Es geht hierbei um Themen wie Motivation, Demotivation, Feedback, Anreizsysteme, Kommunikation, Delegation, Zeit- und Selbstmanagement.
Alles in allem ein sehr interessantes Buch, welches übrigens von zwei Diplom-Psychologen geschrieben wurde und somit eher die psychologischen, als die betriebswirtschaftlichen Aspekte in den Vordergrund stellt.