Es ist immer dünnes Eis, wenn man Evolution und Kreation kritisch gegenüberstellt.
Wie bei jeder Gegenüberstellung von persönlichen Überzeugungen, seien sie religiöser, philosophischer, moralischer oder auch wissenschaftlicher Natur, wird allzu schnell der Boden der Tatsachen verlassen, werden statt Fakten Fiktionen auf den Tisch gezerrt und statt mit Daten mit Dreck geworfen. Konflikte sind da kaum vermeidbar, denn es geht nicht nur um den Vergleich von wissenschaftlich-messbaren Daten, sondern auch um die Frage nach dem Gottes- und Weltbild jedes Einzelnen. Dieter Aebi hat sich hier einem Thema angenommen, welches sonst hauptsächlich von Naturwissenschaftlern (und Naturphilosophen), aber auch von Theologen bearbeitet wird.
Aebi als Christ und Jurist nähert sich aus eher ungewohnter Richtung:
- Was ist eigentlich "Wissen", und was ist "Glaube"?
- Ist (Natur-)Wissenschaft ein rein auf Fakten beruhendes Arbeitsfeld oder spielt der Glaube des Wissenschaftlers eine wesentlich größere Rolle als allgemein angenommen wird?
- Ist die Evolutionstheorie (mit ihren diversen modernen Ausprägungen) überhaupt "wissenschaftlich", ist sie überhaupt eine echte "Theorie"?
- Würde sie beispielsweise in einem Gerichtsverfahren Chancen auf einen Sieg gegenüber der Schöpfungstheorie ("Kreation") haben, ja sind ihre vielgerühmten "Beweise" überhaupt vor Gericht zulässig?
- Sind die seit Darwin so belächelten Aussagen der Bibel gänzlich überholt, so dass sie wirklich nicht mehr in die (Natur-)Wissenschaft oder zu einer logischen Argumentation und sachlichen Deabatte gehören?
- Ist Gott beweisbar (oder auf Faktenlage auszuschließen)?
Im Anschluß analysiert Aebi Auszüge aus wissenschaftlichen Veröffentlichungen rund um das Thema der Evolutionstheorie - unabhängig vom eigenen wissenschaftlichen und religiösen Standpunkt jedenfalls lesenswert! Das sachliche Kritiken an oder gar Auszüge aus trockenen "wissenschafltichen" Werken so zum Lachen einladen, ist erstaunlich. Dabei werden die Zitate nicht etwa lächerlich gemacht, sie werden lediglich auf gehaltvolle Aussagen überprüft oder bei widersprüchlichen Aussagen gegenübergestellt.
Zusammenfassend: Ein sehr informatives Buch - für ewige Zweifler und für Leichtgläubige, für Wissenschaftler und für Philosophen, für Gläubige und "Ungläubige" (sollten diese jemals gefunden werden), kurz - für jeden.
Vorkenntnisse in Rechts-, Natur- oder Religionswissenschaften und der Philosophie sind nicht erforderlich - nur gesunder Menschenverstand und etwas Offenheit "unwiderlegbare Belege" (!) (Zitat aus Ernst Mayr: "Das ist Evolution") einmal selbst auf Widerlegbarkeit zu prüfen.