Kurzbeschreibung
Der Autor über sein Buch
Kurzfassung: Prozeßintegriertes Management PIM: Ein Modell für Effizientes Qualitäts-, Umwelt- und Arbeitsschutzmanagement Das Prozeßmanagement unterstützt die Optimierung der Geschäftsabläufe. Normierte Managementsysteme dienen je nach der spezifischen Ausrichtung dazu, die Forderungen des Qualitäts- (ISO 9001), des Umwelt- (ISO 14001) oder Arbeitsschutzmanagements (BS 8800) systematisch umzusetzen. Werden diese Managementsysteme unabhängig voneinander eingeführt, so werden einzelne Aspekte mehrfach bearbeitet. Eine empirische Untersuchung ergab erhebliche Doppelarbeit.
Der Autor entwickelt ein allgemeingültiges Prozeßmodell für Industrieunternehmen, das als Grundlage für die Integration von Qualitäts-, Umwelt- und Arbeitsschutzmanagement dient. Im Rahmen eines zweiphasigen Vorgehens erhält der Praktiker einerseits einen Leitfaden für die Implementierung des Prozeßintegrierten Managements (PIM), andererseits bekommt er am Beispiel der MCC smart GmbH eine weitere Orientierungshilfe einer praxisgerechten Umsetzung des PIM-Modells. Einen schnellen Überblick gewinnt der Leser durch die jeweils am Ende eines jeden Kapitels zusammengefaßten Fazits.
Inhaltsübersicht: Problemstellung und Ansatz der Arbeit.- Unternehmensziele ud Managementsysteme für Qualität, Umwelt- und Arbeitsschutz.- Vergleichende Analyse normierter Managementsysteme und Konzepte für deren Integration.- Unternehmensprozesse im Rahmen des Prozeßmanagements.- Verwirklichung des prozeßintegrierten Managements - PIM.- Integration in der Praxis - Prozeßmanagement der Micro Compact Car-Gruppe.- Anhang.- Literatur.
Autor: Dr. Hartwig Schwerdtle, Diplom-Kaufmann, Jahrgang 1970, studierte an der Universität Mannheim und promovierte an der Universität Heidelberg. Im Anschluß an die Wiedervereinigung baute er 1990/91 einen Vertrieb in den Neuen Bundesländern auf. Als Verantwortlicher für das prozeßorientierte Umweltmanagementsystem der MCC smart GmbH sammelte er Erfahrung über ein Prozeßintegriertes Managementsystem, die u.a. die Grundlage für die Entwicklung des Modells zur Implementierung eines Prozeßintegrierten Managements (PIM-Modell) bildete. Seit 1999 ist er Berater bei der Top-Management-Unternehmensberatung A.T. Kearney.
Vorwort von Prof. Dr. Liesegang, Universität Heidelberg: Betriebswirtschaftliche Forschung und Praxis entwickeln sich im Wechselspiel: in der betrieblichen Praxis erwachsen neue Problemfelder und ad-hoc Lösungen; die Forschung greift die Problemstellungen auf, systematisiert Lösungsansätze, fügt sie in das Theoriegebäude ein und gibt ihrerseits Impulse für eine rationale Gestaltung des betrieblichen Geschehens. Genau diese Impulsgeberfunktion für die aktuelle Problematik der Integration von Managementsystemen leistet die vorliegende Arbeit von Hartwig Schwerdtle in einer umfassenden, sehr eigen-ständigen und geschlossenen Weise. Dabei profitiert die Arbeit von dem breiten Erfahrungsspektrum des Verfassers: einerseits hat er im Team Integriertes Managementsystem bei der MCC smart GmbH zur Vorbereitung der Produktion des smart mitgearbeitet, andererseits war er in eine Forschergruppe zwischen den Universitäten St. Gallen, Heidelberg und Mannheim zur Vereinheitlichung Integrierter Managementssysteme eingebunden. Herrn Schwerdtles Schwerpunktsetzung ragt insofern heraus, daß der Ausgangspunkt seiner Überlegungen auf modernen, durchgängig nach Prozeßaspekten organisierten Betriebsorganisationen, beispielsweise bei der MCC-Gruppe, fußte. Als Mitarbeiter in der Umweltabteilung von MCC hatte der Autor die Gelegenheit, in optimaler Weise sein Forschungsanliegen in der Umgebung einer der modernsten prozeß-orientierten Fertigungsorganisationen zu entwickeln und zu überprüfen. Insofern konzentriert sich seine Arbeit auf den situativen Ansatz einer durchgängig an Prozessen ausgerichteten Betriebs-organisation, wie sie in Zukunft angesichts der Notwendigkeit der raschen Adaption von Veränderungen typisch sein dürfte.
Nach einer knappen Einleitung über Problemstellung und Vorgehen schafft das Kapitel 2 die Ankerpunkte für die anschließenden Argumentationsketten. Zunächst wird ein pluralistisches Zielsystem des Unternehmens vorausgesetzt, welches insbesondere Qualitäts-, Umweltschutz- und Sozialziele beinhaltet und den Anforderungen der Anspruchsgruppen an ein Unternehmen gerecht werden kann. Daraus werden Forderungen an Managementsysteme abgeleitet. Die simultane Verfolgung teils konkurrierender Zielsetzungen stellt dabei für die Organisationen eine besondere Herausforderung dar. In 2.3 wird daraufhin in kompakter Form der Entwicklungs- und Anwendungsstand international genormter Managementsysteme für Qualität, Umwelt- und Arbeitsschutz darge-stellt. In der vergleichenden Analyse normierter Managementsysteme in Kapitel 3 ist es im Nachhinein nicht allzu verwunderlich festzustellen, daß vielfältige Übereinstimmungen zwischen Qualitäts- und Umweltschutzmanagementsystemen herrschen, war doch das Regelwerk BS 5750 Ausgangspunkt für ISO 900x und dies wiederum Konzeptgrundlage für Adaptionen in den Bereichen Umwelt-management und Arbeitssicherheit. Allerdings wird die inhaltliche Ausgestaltung zu ganz unterschiedlichen Problemsichten führen. In der Betrachtung der Kostenvorteile wird in 3.1.3 die Kostenreduktion durch eine integrierte Zertifizierung hervorgehoben. Der eigentlichen Weichenstellung für das spezifische Forschungsanliegen der Arbeit dient das Teilkapitel 3.3, in welchem unterschiedliche Integrationskonzepte in sehr eigenständiger und übersichtlicher Form behandelt und bewertet werden und wo schließlich die prozeßorientierte Integrationsform (3.3.6) als besonders vorteilhaft für eine moderne, in Richtung Prozeßorganisation steuernde Unternehmung herausgehoben wird. Insofern ist das weitere Vorgehen von Schwerdtle als situativ zu begreifen. Wenngleich das Prozeßmanagement als solches nun mittlerweile in der Literatur schon vielfältig behandelt worden ist, so ist es Herrn Schwerdtle doch besonders eindrucksvoll gelungen, die wesentlichen Grundstrukturen eines Prozeßmanagements herauszuarbeiten, so daß sie auf die unterschiedlichen Prozesse auf den unterschiedlichen Aggregationsebenen in einer quasi fraktalen, selbstähnlichen Darstellungsweise angewandt werden können. Damit ist eine hervorragende konzeptionelle Grundlage geschaffen, um den Integrationsprozeß innerhalb eines organisationstheoretischen Bezugsrahmens zu entwerfen. Die Verwirklichung geschieht unter dem Stichwort Prozeßintegriertes Management (PIM) in Kapitel 5. Dabei werden zunächst wiederum unter-schiedliche Alternativen der Vorgehensweise in 5.1 sorgfältig erörtert, sondiert und bewertet, ehe die Entscheidung auf ein Zwei-Phasen-Konzept fällt, gemäß welchem zunächst ein Prozeßmanagement aufgebaut und stabilisiert wird, ehe an die Aufgabe der Integration der unterschiedlichen speziellen Managementsysteme herangegangen wird. Daraufhin werden in Teilkapitel 5.3 die wesentlichen Haupt-prozesse des Unternehmens in Bezug auf die Integrationsproblematik abgehandelt. Entsprechend dem praxisgeleiteten Forschungsanliegen wird das erarbeitete Konzept im Kapitel 6 an der Praxis der MCC-Gruppe gespiegelt. Damit gewinnt das PIM-Konzept noch einmal an Plastizität und macht in anschaulicher Weise den organisatorischen Integrationsprozeß begreiflich. In der vorliegenden Arbeit wird eine komplexe organisationstheoretische Thematik in einer konsistenten Erörterung schrittweise und zielführend entfaltet. Dabei wird der Leser durch vielfältige Orientierungshilfen und Positionsangaben bei Meilensteinen sehr gut geleitet. Durch die prozeßorientierte Grundstruktur wird die Integrationsproblematik der Managementsysteme bezüglich Qualität, Umwelt- und Arbeitsschutz in einen modernen praxisrelevanten situativen Kontext eingebettet. Die Arbeit richtet sich sowohl an die Praxis, in welcher unterschiedliche Managementsysteme zusammengeführt werden sollen als auch an die Wissenschaftler, die an praxisgerechten Organisationskonzepten forschen. Möge diese Arbeit starke Impulse auslösen, um letztlich in der betrieblichen Praxis eine Unternehmenskultur zu fördern, in welcher Mitarbeiter-, Kunden-, Kapitalgeber- und Gesellschaftsziele in einem gemeinsamen Care-Management verwirklicht werden können.
Heidelberg, im Juli 1999 Prof. Dr. Dietfried Günter Liesegang