"Some people, they like to go out dancing
And other peoples, they have to work, Just watch me now!
And there's even some evil mothers
Well they're gonna tell you that everything is just dirt
Y'know that, women, never really faint
And that villains always blink their eyes, woo!
And that, y'know, children are the only ones who blush!
And that, life is just to die!
And, everyone who ever had a heart
They wouldn't turn around and break it
And anyone who ever played a part
Oh wouldn't turn around and hate it!"
-Sweet Jane- von Lou Reed
Es gibt so Filme, die einen ganz speziell bewegen, weil sie einem die Möglichkeit geben, die eigene Vergangenheit aufzuarbeiten, Dinge zu verstehen und sich verstanden zu fühlen. So mancher Film geht ganz bewusst und bemüht in die Tiefe und manch anderer Film ist auf seine Weise tiefgehend, wenn jemand in der Geschichte seine eigene Tiefe findet. Für mich war -Prozac Nation- ein Film letzterer Art.
Im deutschen Fernsehen wird der Film ab und zu ausgestrahlt, dann allerdings unter dem Titel "Sex, Pillen und Lou Reed". Der Kommentar dazu ist dann meistens, dass dieser Titel verwirrend sei und dem Film nicht gerecht werde. Nun, ich denke, dass beide Titel dem Film gleichermaßen gerecht und nicht gerecht werden.
"Mein Leben mit der Psychopille" stimmt in sofern, da dies der Titel des Buches ist, das hier als Vorlage diente; aber er passt auch überhaupt nicht, denn der Inhalt wird damit in keinster Weise richtig angedeutet, da der Film die Geschichte der Krankheit und kaum den Teil der Heilung beschreibt.
"Sex, Pillen und Lou Reed" ist so gesehen der bessere Titel, da er den oberflächlichen Dunst der Geschichte beschreibt, in dem die Protagonistin sich selbst einkettet, aber er ist auch schlecht, weil er falsche Erwartungen weckt, dahingehend, wie der Film gesehen werden sollte.
Jeder kennt wohl das philosophische Problem der Absurdität des Lebens, welches wohl kein anderer Denker so treffend formuliert hat wie Albert Camus in seinem
Der Mythos des Sisyphos und welches er in seinen Romanen
Der Fremde und
Die Pest dargestellt hat. Dies Absurde, das entsteht wenn man im Leben nach Sinn und nach Antrieben sucht - manchen drückt diese Sinnlosigkeit nur ab und zu im Schuh und manchen drückt sie vehement in die Knie und sprengt den Kopf. Man kann das Depression nennen, oder auch einfach Angst.
"Wenn andere Leute sich schneiden, dann machen sie halt ein Pflaster drauf - ich blute weiter. ['] Irgendwie muss man doch funktionieren."
Lizzies Suche nach dem Absoluten im Schreiben, in der Liebe, der Poesie, der Musik - es ist eine Suche, die seit jeher die verschiedensten Menschen angetreten haben. Das Gefühl, dass da mehr in einem und in der Welt sein müsste - ist es ein Trugschluss, eine Sucht, eine Obsession, ohne Ziel oder Halt. Eine Sucht ist es auf jeden Fall ' the Rest, i think, is silence.
Prozac Nation ist die Geschichte einer Frau, die talentiert ist, die wunderbar über Lou Reed und Bruce Springsteen schreiben kann (vor allem über Springsteen) und die trotz allem weder mit sich noch mit ihren Mitmenschen zufrieden ist. Sie verlangt viel von ihnen - zu viel? Sie verlangt viel vom Leben und von sich; sie will ein Genie sein - um jeden Preis?
Auf jeden Fall erleidet sie mit ihrem Leben Schiffbruch und betäubt den Schmerzüberschuss hier und da; und versucht immer wieder sich mit ganzem Herz in etwas hineinzustürzen, dass sie erfüllen und heilen kann. Dank Christina Ricci ist diese Figur gleichzeitig zerrissen, lebendig und todkrank; eine beeindruckende schauspielerische Leistung. Und ein beeindruckender, gefühlsechter Film, ein Film wie ein Song von Lou Reed'