Diese Reszension soll eine Hilfestellung bei der Geräteauswahl sein und geht auch auf Tischbohrmaschinen aus dem Baumarmt ein. Sie ist primär ein Vergleich zwischen "Proxxon Tischbohrmaschine TBM 220" und "Dremel 400 Digital" verbaut in "Dremel Workstation 220".Die letzteren Gerätschaften ergeben zusammen theoretisch eine Tischbohrmaschine.
Seit meiner Modellbau-Zeit in den 80ern benutze ich überwiegend "Proxxon"-Gerätschaften: Die Micromot 40-E, deren größere Schwester Micromot-100E und die Stichsäge. Alle Geräte dieser Firma sind laufruhig, belastbar und nehmen auch massive Beanspruchung mit Überhitzung nicht übel. Als Ergänzung kaufte ich das Gerät "Dremel 400 Digital" und wenig später den Geräteständer "Dremel Workstation 220". Ich brauchte mehr Drehmoment beim trennen, was dieses 125-Watt-Gerät auch bereit stellt. Die praktische Drehzahleinstellung und das LCD waren auch ein Kaufgrund.
Die Kombination von "Dremel": Das an sich hochwertige Bohr-/Schleifgerät "Dremel 400 digital" bietet Drehzahlen von 5.000- bis 33.000 Umdrehungen pro Minute. Der Motor leistet 140 Watt und hat gefühlt mehr Drehmoment wie die "Micromot-100E", aber nicht viel. Die Drehzahl wird mit zwei Tasten um je 1.000 Touren verstellt, die Soll-Drehzahl wird digital angezeigt. Die Drehzahlregelung ist flink, die Kraft reicht aus, um mit kleinster Drehzahl (5.000) ein 5-mm-Loch in Kiefernholz zu bohren. Beim Einsatz von Trennscheiben und dem schneiden von Stahlblech wird die Maschine so heiß wie bei der Konkurrenz, obwohl mehr Kühlluft aus dem Gehäuse bläst. Ich benutze dieses Gerät nur mit einem Schnellspann-Bohrfutter. Der Bohrständer "Dremel Workstation 220" nimmt diese Maschine am Gerätehals auf und so hat man theoretisch eine Tischbohrmaschine.....
.....Doch wie groß war die Enttäuschung bei dieser Kombination! Der kleinere Preis ist da schon berücksichtigt. Der Borhständer verträgt sich nicht mit Bohrfuttern, weil die Ausgang-Gewindewelle z.T. in der Halterung verschwindet- spannt man Schäfte kleiner 5 mm ein, stößt das Bohrfutter gegen die Halterung und die Maschine blockiert! Die Spindelarretierung im Halter ist nur mit einem spitzen Finger zu erreichen. Die für sich genommen gute Maschine mutiert in diesem fragilen Bohrständer zu einem Quell der Ungenauigkeit. Das Hauptproblem der "Dremel Workstation 220": Bis auf den stabilen Tisch (verschraubbar) ist das meiste aus relativ weichem Kunststoff. Das betrifft auch neuralgische Punkte wo es auf Festigkeit ankommt, etwa die Befestigung des "Dremel 400 Digital" selbst: Plastikmutter! Das Produktbild täuscht zudem, denn die Säule ist nicht durchgehend aus einem Stück, sondern besteht im oberen Teil aus einem dünnwandigem Rohr mit geringem Durchmesser. Sooo groß ist der Höhen-Verstellbereich also nicht. Die Klemmung des gesamten Trägers ist mittels Hebel praktisch, es erweckt aber kein Vertrauen in sicheren Halt. Die Pinole (bzw. letztlich der Bohrer) hat unbelastet schon Spiel in alle Richtungen, schon bei zarter Belastung quer zur Bohrerachse wandert der gesamte Halter weg- mal etwas fräsen wie ein Langloch kann man so kaum. Praktisch ist die Funktion, die eingesetzte Maschine in 15-Grad-Schritten zu schwenken, so kann man z.B. eine Schleifscheibe wie beim Schleifbock ausrichten.
Überblick "Dremel"-Kombi:
+ Flexibler Einsatz des Handgerätes ohne Bohrständer
+ Bedingte Eignung für einfache Bohrungen mit dem Bohrständer
+ Ordentliche Leistungen durch 140-W-Motor
+ Kompfortable Drehzahleinstellung in weitem Bereich
+ Maschine schwenkbar
+ Leiser Betrieb
+ Geringerer Preis für Kombination
- Erschreckend labile Konstruktion bis ins Detail
- Kann kaum mit Bohrfutter verwendet werden (Schaft > 5mm okay)
- Fräsungen wegen auswandern der Maschine nicht möglich
Die "Proxxon Tischbohrmaschine TBM 220" ist das kleinste derartige Gerät, bringt aber schon 3,3 kg auf die Waage. Nicht nur der Bohrtisch (220 x 120 mm) ist aus Alu-Druckguss, sondern das gesamte (!) Gehäuse. Nur der Deckel des Riemenantriebes ist aus Kunststoff. Die Säule ist massiv und mißt 20 x 340 mm, geklemmt wird das Gehäuse mittels zweier stabiler Hebel auf der Rückseite. Es gibt einen verschiebbaren Anschlag auf dem Bohrtisch, der quer belastet wenig nachgibt. Der Motor hat zwar nur 85 Watt, spielt vom Drehmoment aber in einer ganz anderen Liga. Es gibt nur drei Drehzahlen, die man umständlich mittels Treibriemenumlegung einstellt: 1.800/ 4.700/ 8.500 Touren stehen zur Wahl. Mit 4.700 Touren kann man mit einem 6-mm-Fräsbohrer ungehemmt durch Kiefernholz jagen, mit 1.800 Umdrehungen die Minute lässt sich Baustahl bis maximal 5 mm bohren. Ich empfehle das "Röhm"-Bohrfutter (3/8 Zoll), welches direkt von Proxxon vertrieben wird, es spannt 0,5- bis 6 mm ein und mehr macht bei der Motorisierung auch keinen Sinn. Die Pinole und so letzlich das Werkzeug haben kein Spiel, selbst voll ausgefahren bewegt sich fast nichts. Man hört zwar die Federn arbeiten wenn man das Werkzeug senkt, aber alles wird satt und präzise geführt. Der Motor ist lauter wie bei der "Dremel"-Kombi, tönt dafür aber tiefer und bleibt insgesamt akustisch unauffällig. Der Keilriemen ist günstig zu ersetzen und lässt sich einfachst spannen.
Überblick "Proxxon
+ Uneingeschränkte Eignung für bohren und fräsen
+ Kräftiger Motor (max. 5 mm in Baustahl)
+ Leiser Betrieb
+ Stabile Konstruktion aus Alu-Druckguss
+ Wertig bis ins Detail
- Drehzahleinstellung umständlich
- Nur drei Drehzahlen zur Auswahl
- Höherer Preis
Für das Geld der "Proxxon" bekommt man 1-2 billige Tischbohrmaschinen aus dem Baumarkt, die mit etlichen hundert Watt- und vielen Drehzahlen protzen. Doch diese Dinger machen einen erstaunlichen Lärm, das Pinolen-/ Führungsspiel ist deutlich sichtbar und für feinere Arbeiten sind diese einfach zu "billig" gebaut.