Einem unechten Berliner (also einem, der tatsächlich in der Stadt geboren und aufgewachsen ist) fällt es schwer, diese ständige Glorifizierung zu verstehen, die bei echten Berlinern (also denen, die später meist im Studium zugezogen sind) mit schöner Regelmäßigkeit für Verzückung sorgt. Berlin kann schon ziemlich provinziell sein und das ist nicht unbedingt die Ausnahme. Insofern sind Berlin-Romane meiner Meinung nach mit Vorsicht zu genießen. Erfrischend anders kommt dieser Roman daher.
Ausgangspunkt ist Jan, der aus der Enge der Provinz flieht und sich in der großen Stadt beweisen will. Aber auch er muss sich mit den Wirtschaftsproblemen der Stadt herumschlagen. Die Kreativfirma, die er mit einem Freund betreibt, steht eigentlich immer auf Messers Schneide. ...und dann kommt da dieses Jobangebot... (s. Zsf. oben)
Während wir also dem Protagonisten in seiner Geschichte folgen, erhalten wir nicht nur einen wunderbar verträumten und liebevollen Blick auf Berlin, sondern ebenso auf dessen Heimatstadt. Aber, was wir ja schon immer wussten, was wir lieben, hassen wir auch immer ein bisschen und so gibt es auch (für beide Orte) Geschichten, die das weniger schöne Gesicht zeigen.
Ebenso wie die Orte sind auch die Charaktere wunderbar vielschichtig. Jan versteht die Menschen um sich herum instinktiv und beschreibt sie daher nicht in Adjektiven, Kategorien oder seitenlangen philosophischen Diskursen, sondern ganz einfach durch Anekdoten. Seine Gedanken, die bei aller Geradlinigkeit, die für den Handlungsstrang erforderlich ist, beruhigend oft ineinander über und ein wenig drunter und drüber gehen, verhelfen den übrigen Figuren zu erstaunlicher Identifikationskraft. Einzig seine Freundin Katharina scheint für ihn (und damit auch für uns) manchmal schwer zu verstehen zu sein. In dieser Umbruchsituation sind Jan und Katharina dazu gezwungen, über das, was sie wollen, nachzudenken.
Vor allem auf eins kann man sich bei der Lektüre endlich mal wieder besinnen: Entscheidend ist nicht, ob wir in Berlin oder in der Provinz wohnen. Jeder muss sich ganz für sich über die eigenen (beruflichen und privaten) Perspektiven klar werden und darüber, welche Aspekte dann Priorität haben. Dafür muss man nicht unbedingt gleich von Berlin in die Provinz ziehen oder umgekehrt. Ein netter Nebeneffekt ist das aber allemal, schließlich hält so etwas den Geist offen für neue Möglichkeiten. Mit der Entscheidung, die sich dann daraus ableitet, lässt es sich überall leben. Wichtig ist nur, welche Menschen wir um uns haben möchten.