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3.0 von 5 Sternen
Launige Lektüre, 15. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Provinzglück (Taschenbuch)
Jan Ritter und sein Geschäftspartner Jim können aufatmen: Der Medienkonzern Bosny mit Sitz in der westdeutschen Provinz bietet ihnen eine Festanstellung an, und das ausgerechnet in Jans Heimatstadt. Ein Angebot, das man nicht ablehnen kann. Dennoch reagieren die beiden kreativen Vermarktungsstrategen sehr verschieden: Jim sieht einen Silberstreifen am Finanzhorizont, Ich-Erzähler Jan seine Felle bei Lebensgefährtin Katharina davonschwimmen. Die agile Kamerafrau hat nämlich gerade für ein begehrtes Spielfilmprojekt zugesagt. Außerdem gefällt Jan sein Leben als Berliner Jungunternehmer gar nicht schlecht. Er zieht trotzdem um, trifft Freunde und Klassenkameraden von früher, kommt seiner langjährigen Freundin Maike näher - und die Eltern samt kleiner Schwester freuen sich natürlich auch. Alles könnte so schön sein, wenn Katharina Berlin ebenfalls den Rücken kehren könnte...
Ein im wahrsten Sinne des Wortes bodenständiger Roman, der in seinen besten Momenten an Sebastian Schippers filmische Ode an die Freunde "Absolute Giganten" erinnert, ein Buch für die Generation, die mit schwarzen Vinyl-Langspielplatten und dem Karamelkern von "Brauner Bär" aufgewachsen ist, unprätentiös, launig und ohne den sonst in diesem Genre oft üblichen Drang zur Sex-Posse und zum Gossenjargon geschrieben. Was fehlt, ist ein echter Spannungsbogen. Lindt folgt ganz einfach dem Weg seiner Hauptfigur zurück in die Provinz. Die Geschichte lebt nicht von dramatischen Höhepunkten (und steuert leider auch auf keinen zu), sondern von den Figuren, die Lindt mit leichter Hand zum Leben erweckt und die in den meisten Fällen überhaupt nicht erfunden wirken. Das dürfte kein Zufall sein, denn dasselbe gilt für die kleine Universitätsstadt, in die Jan zurückgelockt wird. Sie erinnert verdächtig an Marburg, Lindts Geburtsort.
Ärgerliches Manko: "Provinzglück" ist miserabel lektoriert, ein Dutzend Fehler finden sich allein beim ersten Lesen. Wie mir der Autor selbst anlässlich einer Lesung offenbarte, hat jemand die unkorrigierten Druckfahnen in den Druck gegeben und das ließ sich dann, so die offizielle Version, auch in der zweiten Auflage nicht mehr rückgängig machen. Ein Armutszeugnis für den renommierten Fischer-Verlag, dem wir dafür einen Stern abziehen.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Jenseits von schwarz-weiß, 10. April 2006
Rezension bezieht sich auf: Provinzglück (Taschenbuch)
Einem unechten Berliner (also einem, der tatsächlich in der Stadt geboren und aufgewachsen ist) fällt es schwer, diese ständige Glorifizierung zu verstehen, die bei echten Berlinern (also denen, die später meist im Studium zugezogen sind) mit schöner Regelmäßigkeit für Verzückung sorgt. Berlin kann schon ziemlich provinziell sein und das ist nicht unbedingt die Ausnahme. Insofern sind Berlin-Romane meiner Meinung nach mit Vorsicht zu genießen. Erfrischend anders kommt dieser Roman daher.
Ausgangspunkt ist Jan, der aus der Enge der Provinz flieht und sich in der großen Stadt beweisen will. Aber auch er muss sich mit den Wirtschaftsproblemen der Stadt herumschlagen. Die Kreativfirma, die er mit einem Freund betreibt, steht eigentlich immer auf Messers Schneide. ...und dann kommt da dieses Jobangebot... (s. Zsf. oben)
Während wir also dem Protagonisten in seiner Geschichte folgen, erhalten wir nicht nur einen wunderbar verträumten und liebevollen Blick auf Berlin, sondern ebenso auf dessen Heimatstadt. Aber, was wir ja schon immer wussten, was wir lieben, hassen wir auch immer ein bisschen und so gibt es auch (für beide Orte) Geschichten, die das weniger schöne Gesicht zeigen.
Ebenso wie die Orte sind auch die Charaktere wunderbar vielschichtig. Jan versteht die Menschen um sich herum instinktiv und beschreibt sie daher nicht in Adjektiven, Kategorien oder seitenlangen philosophischen Diskursen, sondern ganz einfach durch Anekdoten. Seine Gedanken, die bei aller Geradlinigkeit, die für den Handlungsstrang erforderlich ist, beruhigend oft ineinander über und ein wenig drunter und drüber gehen, verhelfen den übrigen Figuren zu erstaunlicher Identifikationskraft. Einzig seine Freundin Katharina scheint für ihn (und damit auch für uns) manchmal schwer zu verstehen zu sein. In dieser Umbruchsituation sind Jan und Katharina dazu gezwungen, über das, was sie wollen, nachzudenken.
Vor allem auf eins kann man sich bei der Lektüre endlich mal wieder besinnen: Entscheidend ist nicht, ob wir in Berlin oder in der Provinz wohnen. Jeder muss sich ganz für sich über die eigenen (beruflichen und privaten) Perspektiven klar werden und darüber, welche Aspekte dann Priorität haben. Dafür muss man nicht unbedingt gleich von Berlin in die Provinz ziehen oder umgekehrt. Ein netter Nebeneffekt ist das aber allemal, schließlich hält so etwas den Geist offen für neue Möglichkeiten. Mit der Entscheidung, die sich dann daraus ableitet, lässt es sich überall leben. Wichtig ist nur, welche Menschen wir um uns haben möchten.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Die Heimat ruft, 8. Oktober 2009
Jan lebt in Berlin und schlägt sich freiberuflich durchs Leben. Ihn und seine Freundin plagen daher immer öfter Sorgen rund um's Thema Geld. Da kommt ein verlockendes Angebot ins Haus geflattert. Man bietet Jan einen festen Arbeitsvertrag mit vielen Vorteilen. Doch: er müsste dafür in die Provinz, in seine alte Heimat ziehen ...
Christian Ulmen setzt diesen Text toll in Szene und lässt den Zuhörer immer wieder schmunzeln. Er schafft es den einzelnen Personen Leben einzuhauchen. Eine überzeugende Darstellung die mir Spaß gemacht hat.
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