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67 von 70 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Eine Hausapotheke der Lebensklugheit - besser zu lesen als eine Einleitung in das Werk von Marcel Proust, 6. Juni 2008
Der Mann, der unser Leben verändern soll, war ein Mensch, der keinerlei Geräusche ertrug, unter Banalitäten unsagbar litt, in den wärmsten Räumen immer nur mit Pelz am Tisch saß, seinen Freunden aus Angst anzuecken Tag und nach "proustifizierte" ( d. h. belobhudelte), lebenslang an Verstopfung litt und der im Alter von nur 51 Jahren unnötigerweise an einer Grippe starb. Allerdings war er begabt mit einem unvergleichlichen Scharfblick für die Marotten, die Nuancen und Feinheiten aller nur denkbaren sozialen und psychologischen Konstellationen, die er mit einer beispiellosen Sprachmächtigkeit in seinem Hauptwerk "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" aufs literarische Tapet brachte. Um dem Leser aber die Mühe zu ersparen, die 1,3 Millionen Wörter der "Recherche" auch wirklich selbst zu lesen, hat Alain de Botton aus dem Proustschen Werk eine Art Hausapotheke zusammengestellt, aus der sich allerlei Mittelchen zur Lösung der Probleme herausdestillieren lassen, die uns tagtäglich quälen - etwa : "Wie man in der Liebe glücklich wird", "Wie man seinen Gefühlen Ausdruck verleiht", "Wie man sehen lernt", "Wie man erfolgreich leidet", "Wie man Freundschaften pflegt", aber auch "Wie man richtig liest" und "Wie man ein Buch aus der Hand legt".
Welchen Wert hat diese Hausapotheke? Keinen für diejenigen, die Proust im Original gelesen haben. Aber doch einen erbaulichen Mehrwert für die Proust Novizen, die immer schon von dem monumentalen Umfang der Recherche" zurückschreckten. Sie sind nun eingeladen, allerlei Erbauliches über Liebe, Freundschaft und Literatur, über Sexualität, Kunst, Eitelkeit und Einsamkeit zu lesen und auf ihr Leben anzuwenden. Dafür zwei Beispiele: "Die etwas schwierigen Frauen, die man nicht sofort besitzt, von denen man zunächst nicht einmal weiß, ob man sie je besitzen wird, sind die einzig Interessanten", heißt es etwa auf S. 198. Oder: Das Geheimnis einer dauerhaften Beziehung, so liest man auf S.203, ist die Untreue. "Und zwar nicht als körperlicher Akt sondern als ständige Bedrohung". Diese Beispiele ließen sich seitenweise fortsetzen, allenthalben quillt aus der Bottonschen Kompilation ein regelrechter Extrakt an Lebensklugheit, der zunächst frappiert, begeistert, um aber dann doch irgendwann den Leser in die Position eines Trinkenden zu bringen, der nach dem geballten Genuss von zu viel Orangensaftkonzentrat plötzlich an Sodbrennen leidet.
Aber das macht nichts. Am Ende relativiert der Autor in echt Proustscher Distanzierung sowohl seinen eigenen Ansatz wie auch das Werk des Meisters, wenn er über das Lesen schreibt: "Es hieße dem, was nur Anreiz ist, eine zu große Bedeutung geben, wenn man daraus eine Disziplin machte. Das Lesen liegt an der Schwelle des geistigen Lebens, es kann uns darin einführen, aber es ist nicht dieses Leben."(S.235)
Das vorliegende Buch wird ihr Leben also ganz sicher nicht verändern, aber als eine Einleitung in die Gedanken und Lebenswelt von Marcel Proust ist es ganz gut zu lesen.
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39 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
So macht lesen Spaß. Und so macht Proust Spaß!, 1. August 1999
Von Ein Kunde
Daß ein lungenkranker, seit über siebzig Jahren toter französischer Dichter unser Leben verändern kann, wie der Titel behauptet, mag zunächst überraschen. Aber Alain de Botton kann den Anspruch für Marcel Proust wirklich erheben. Er nähert sich dem Klassiker und seinem Meisterwerk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" so unbefangen, als ginge es dabei nicht um Weltliteratur, sondern um die positiven Effekte einer neuen Diät, fernöstlicher Meditation oder eines Intensiv-Sprachkurses. Ganz pragmatisch handelt er die großen Fragen des Lebens kapitelweise ab, sei es Freundschaft, Liebe, oder die Frage, wie man aus seinen Fehlern lernen kann. Die Anweisungen bleiben nicht theoretisch und unverbindlich, sie werden konkret bis hin zur Kleiderfrage bei einem ersten Date (hier ist de Bottons und Prousts Ratschlag allerdings, man solle die Verabredung am besten ganz absagen, wenn man Erfolg sucht). Die Anweisungen und die Fallbeispiele, an denen er sie illustriert, zieht der Autor aus den unzähligen Schicksalen und Reflexionen, die in dem zehnbändigen Hauptwerk von Marcel Proust abgehandelt werden. Nebenbei erfährt der Leser auch noch interessantes über das Leben des Klassikers selbst, zum Beispiel, daß er gerne telefonisch Eis bestellte (seine eigene Pariser Nummer war übrigens 29205) und zur Schonung seiner empfindlichen Haut bei einer einzigen Körperwäsche ca. 20 Handtücher verbrauchte. „Wie Proust ihr Leben verändern kann" ist eine leichte, heitere Annäherung an ein Meisterwerk der Literatur. Man legt es nicht mehr weg, wenn man einmal angefangen hat, und eh man sich versieht, hat man es durchgelesen. Aber dann ist der Spaß ja noch nicht vorbei, denn man hat ja nur das Buch zum Buch gelesen: Es gibt noch das Meisterwerk selbst: Die tausende Seiten von „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit". (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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25 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein brillantes Buch!!, 13. Januar 2003
De Botton stellt genau die Frage, die sich wohl jeder stellt, wenn er vor dem Mammutwerk Prousts steht und nicht weiß, was auf ihn zukommt: Was hat man davon, Proust zu lesen? Auf unkonventionelle Art und Weise nähert sich der Autor dem Leben und dem Werk von Marcel Proust, indem er einen "Ratgeber" verfaßt mit provozierend-plakativen Kapitelüberschriften wie z.B. "Wie man seinen Gefühlen Ausdruck verleiht" und "Wie man in der Liebe glücklich wird". Im Geiste Marcel Prousts, durch seine Wahrnehmungssschärfe, seine Sensibilität und auch sein Hypochondrie, entstehen amüsante und aufschlußreiche Blicke auf die drei großen L: das Leben, die Liebe und das Leiden. Man muß Proust nicht gelesen haben, um an diesem Büchlein Gefallen zu finden, im Gegenteil: die geistreichen Anekdoten und die Einblicke in Prousts zum Teil kuriose Lebensgewohnheiten machen erst richtig Appetit, sich doch einmal an den Riesenschinken heranzutrauen, die "Suche nach der verlorenen Zeit" aufzunehmen.
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