|
von Ralf König
|
von Ralf König
|
von Ralf König
|
von Ralf König
|
von Ralf König
|
Produktinformation
Möchten Sie die Produktinformationen aktualisieren oder Feedback zu den Produktabbildungen geben?
|
Mit „Der bewegte Mann" kam für Ralf König der große Durchbruch als Comic-Zeichner. Nachdem er 28 Jahre schwule Geschichten gezeichnet hat, wendet er sich jetzt am liebsten religiösen Themen zu. Im Interview erzählte er, warum ihm der Spott auf Religionen ein ernstes Anliegen ist, was für ihn Spiritualität bedeutet, worum es in seinem nächsten Buch gehen wird und warum auch Heteros lustig sein können. Frage: Sie erzählen hier eine etwas andere Schöpfungsgeschichte. Adam und Eva sind nicht gerade die Krönung der Schöpfung, eher eine Beta-Version mit starkem Reparaturbedarf - soweit so bibelkonform. Was aber wollten Sie vor allem anders erzählen? Die Rolle eines mäßig begabten Schöpfers?
Ralf König: Vor allem die eines selbst Unvollkommenen. Der im Garten wandelnde Gott der Genesis ist allzu menschlich mit seinen Wutausbrüchen und Launen, als Ungläubiger möchte man verzweifeln, dass sich so viele Menschen heute immer noch mit ihrem Weltverständnis und ihren Werten an diesen Mythen orientieren - und diese alten Märchen sehr ernst nehmen, wie es das Auftreten der Kreationisten zeigt. Wenn es also die Evolution nie gab, sondern einen bastelnden Gott, dann sind all die Ungereimtheiten und Irrwege der Evolution ja ihm auf die Mängelliste zu setzen. Also warum ist der Giraffenhals so lang?
Frage: Luz, die Schlange, ist in ihrer Respektlosigkeit diejenige, die die Geschichte vorantreibt. Man könnte meinen, an ihrem Charakter hätten Sie den meisten Spaß gehabt?!
Ralf König: Sicher, aber ich wurde mehrfach gefragt, mit wem in der Geschichte ich mich am meisten identifiziere, und da sag ich ganz klar: Adam. Ich bin in einem katholischen Dorf in Westfalen aufgewachsen, durch Religionsunterricht und Schulmessen etc. war mein Weltbild viel zu lange verklebt durch Kirche, bis ins Teenageralter. Mein Biss in den Apfel war die Entdeckung der Bücher von Hoimar von Ditfurth, Mitte der 70er. Das waren meine Bibeln, endlich erklärte mir jemand, wie alt und Wie groß das Universum ist, wie die Erde entstand und wie unser Gehirn sich über Jahrmillionen entwickelt hat. Endlich keine Jungfrauengeburten, Paulusbriefe und Himmelfahrten mehr!
Frage: Nicht weiter überraschend, ist Erkenntnis eines der großen Themen des Buches. Sie scheint nur jenseits von Gott und Religion möglich zu sein...
Ralf König: Das ist meine Meinung. Aber das heißt nicht, dass ich Spiritualität verneine. Ich bin ein spiritueller Mensch, habe Ehrfurcht vor dem Sternenhimmel und empfinde Faszination und Verwunderung für dieses große Fragezeichen über unseren kleinen Köpfen. Aber ich kann das nicht ‚Gott‘ nennen, dazu ist mir dieser Begriff zu sehr besetzt von diesem ‚persönlichen‘ Gott der Religion. Ich meine, die Wahrheit ist auf unbegreifliche Weise größer als alle Märchen, die sich Menschen ausdenken können. Religion macht die Weltgeschichte so klein, so banal. Vielleicht bin ich eher Pantheist, aber wie gesagt, ich habe Schwierigkeiten mit dem Begriff ‚Gott‘.
Frage: Sie sprechen vom „Wahnwitz der Religionen". Würden Sie sie am liebsten ganz abschaffen? Was würden Sie den Menschen stattdessen anbieten?
Ralf König: Ohne das Beharren auf einzig wahre Götter wäre das menschliche Miteinander erheblich stressfreier. Man sollte sich selbst einen Sinn und einen Zusammenhang im Leben suchen und nicht die vorgefertigten Denkschablonen der Religionen übernehmen. Wir Menschen kommen doch vor allem mit dem Tod nicht klar. Dass wir eines Tages erlöschen und nicht mehr existieren, ist uns ein unerträglicher Gedanke, daher rührt meiner Meinung nach überhaupt alle Religion: aus dem Versprechen, nach dem Tod wieder aufzuerstehen. Ich glaube aber auch ohne dieses allzu gefällige Versprechen daran, dass die Welt, so wie sie ist, in Ordnung ist, ich fühle mich aufgehoben in einem Großen und Ganzen und kann mich um mein Leben kümmern. Und da hilft mir die Philosophie. Es ist allemal lohnender als die Lektüre der Apostelbriefe, Paulus' Zeitgenossen Seneca zu lesen, wenn man Ratschläge für ein erfülltes, zufriedenes Leben im Hier und Jetzt sucht.
Frage: Sie zitieren auch die großen Erkenntnistheoretiker und Naturwissenschaftler. Platons Höhlengleichnis wird sogar in einen Comic übersetzt. Erfüllen Sie am Ende gar einen Bildungsauftrag?
Ralf König: Als Nebeneffekt würde mir das gefallen, aber erst mal möchte ich unterhaltsame Geschichten zeichnen und weniger belehren. Obwohl, klar, wenn ich ein Buch lese mit einem schönen philosophischen Gedanken, und der lässt sich visuell umsetzen... Das Höhlengleichnis hab ich übrigens auch aus einem Ditfurth-Buch, das hat mich damals sehr beeindruckt.
Frage: Die FAZ ist voll des Lobes für Sie, hat vertretungsweise Ihre Zeichnungen abgedruckt, schreibt von „grandiosen Beispielen für die Adaption etablierter Erzählformen durch den Comic". Finden Sie sich in solch einer Art germanistischer Analyse wieder?
Ralf König: Och, ein bisschen intellektuell gepuschelt zu werden, ist ja auch mal ganz schön. Wenn man bedenkt, dass ich ja eigentlich aus der vermeintlichen Schmuddelecke komme und sehr derbe Geschichten gezeichnet habe, da wurde auch oft nur die Nase gerümpft.
Frage: Bleibt es bei Ihrer Ankündigung, sich auch im nächsten Buch mit dem Thema Religion auseinanderzusetzen?
Ralf König: Ja, ich bin gerade an „Archetyp", also Sintflut, die zweite große Episode des Buches Genesis nach dem Apfelbiss. Ich hab bei „Prototyp" gemerkt, dass ich gern Tiere zeichne, und da eignet sich die Noah-Geschichte geradezu hervorragend, und Kritik an oder auch Spott auf Religion ist mir ein ernstes Anliegen, da hab ich noch einiges vor. Andererseits will ich mich auch nicht allzu sehr in das Thema verbeißen und immer auch wieder ganz gottlose Geschichten zeichnen, meine Beziehungskomödien sollen auch nicht zu kurz kommen. Und da sind es vor allem die Frauen, die mich interessieren, wie bei ‚Hempels Sofa‘. Ich habe 28 Jahre lang ausschließlich schwule Comics gezeichnet, der Rahmen wird mir gerade etwas eng. Heteros sind ja auch lustig.
Die Fragen stellte Henrik Flor, Literaturtest.
![]() |
78% kaufen den auf dieser Seite vorgestellten Artikel: Prototyp EUR 14,90 |
![]() |
10% kaufen Archetyp EUR 16,90 |
![]() |
6% kaufen Schillerlöckchen EUR 12,00 |
![]() |
3% kaufen Hempels Sofa EUR 9,95 |
Tags, die Kunden mit diesem Produkt verbinden(Was ist das?)Klicken Sie zum Suchen verwandter Artikel, Diskussionen oder Personen auf ein Tag.
|
|
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel:
|
||||||||||||||||||||||
Die hilfreichsten Kundenrezensionen
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel: Eigene Rezension erstellen
|
|
|
Das Forum zu diesem Produkt
Fragen stellen. Meinungen austauschen. Neues erfahren.Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
|
Ähnliche Foren
|
|||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
Sobald Sie sich Produktseiten oder Suchergebnisse angesehen haben, finden Sie diese Seiten zu Ihrer Information hier aufgeführt. |