"Menschen kann man lieben ? Wie darf ich das verstehen ?"
Das Zitat hätte ohne Weiteres von Artur Schopenhauer sein können, aber es ist eine Zeile aus HRKs neuster CD. Der Albumtitel lässt vermuten, dass Kunze wieder mal seine grobe, harte Querulanten-Seite einschlägt und viele böse Verse setzt. Aber Irrtum! Zu zwei Dritteln besteht das 2009er Werk des langjährigen Intellektuellen-Rockers aus eingängigen, dem Publikum wohlgesinnten Harmonien und gut verdaulichen Arrangements, mit denen er auch seine Antisympathisanten versöhnlich stimmen dürfte. Akustisch am ehesten vergleichbar ist "Protest" mit dem 2001er Album "Halt". Viele sanfte Töne werden angeschlagen, wie z.B. auf "Regen in meinem Gesicht", und man merkt auf diesen Stücken erneut, was für eine schöne Sängerstimme Heinz Rudolf Kunze doch hat.
Damit der Titel "Protest" aber nicht völlig aus der Luft gegriffen wirkt und wie Etikettenschwindel anmutet, bietet das restliche Drittel ein paar klanglich unbequeme Nummern ("Dagegen", "Selbst ist die Zerstörung", "Warum ?").
Seit über einem Vierteljahrhundert produziert der kreative Song-Poet nun schon ein Album nach dem nächsten. Und wenn jemand glauben sollte, langsam wäre es mal genug, dann protestiere ich aber energisch, lege "Protest" ein und drehe den Lautstärkeregler hoch.