... das ist dieses Buch. Und es ist dabei überhaupt nicht annähernd so anti, wie sein Titel es vermuten läßt. Im Gegenteil: Kirsten Brodde klagt nicht an, was alles nicht in Ordnung ist, sondern zeigt auf, welche Möglichkeiten man hat, wenn einem etwas mal so richtig nicht in den Kram passt. Sich im stillen Kämmerchen oder in der Kneipe zu ärgern war mal: denn Protest ist viel einfacher, witziger, spannender und auch effektiver, als man denkt. Zum Beispiel die Polit-Putze, die mit Eimer, Lappen und Küchenschaber loszieht und im Alleingang die Stadt von Neonazi-Aufklebern und -Parolen säubert. Oder die Schüler der Ganztagsschule mit einem viel zu kleinen Bistro, die zur Mittagszeit die Kantine der Schulbehörde füllen, um der Behörde zu zeigen, wie sich ein Platzproblem in der Kantine anfühlt. Oder oder oder. Protest ist heutzutage kreativ, leicht zugänglich und macht Spaß.
Für Neulinge in der Protestkultur zeigt Kirsten Brodde in jedem Kapitel auch, wie man klein anfangen kann, und nimmt dem unsicheren Leser so die Bedenken, sich eventuell zu übernehmen. Und aus eigener Erfahrung weiß ich, daß sich aus der ersten unterzeichneten Petition mehr entwickeln kann- das Informieren von Freunden und Bekannten, der Beitritt in eine Umweltorganisation oder die Teilnahme an einer Demo. Das Gefühl, daß man sich nicht mehr alles still gefallen läßt, sondern wenigstens den Hintern von der Couch hochbekommen und seinem Ärger Luft gemacht hat, ist einfach durch und durch befriedigend.
Ich hatte unheimlich Spaß bei diesem Buch, und es stimmt mich optimistisch, denn es zeigt, wie jeder, aber auch wirklich jeder einen Schritt tun kann, seinen Unmut zu äußern. Ich hatte jedenfalls direkt Lust, loszumarschieren und etwas zu tun- ganz egal ob unerlaubterweise auf dem Gehweg eine Sonnenblume zu pflanzen oder via Campact innerhalb von 1 Minute einen sachlichen aber gepfefferten Brief an meinen Abgeordneten zu schreiben.
Zwei Daumen hoch für dieses tolle positive Buch!