Mit Prostitute haben Alphaville es allen gezeigt, die sie immer noch als Synthpop-Autodidakten im Mainstream betrachten. Prostitute ist ein gewagtes Werk, auf dem Synthesizermusik (synthPOP kann man es eigenltich kaum noch nennen) mit Rock, Jazz, Funk und Klassikelementen verschmilzt. Das klingt dann mal raffiniert-verfrickelt Newjazzrockig (Paradigm Shift), mal klassisch-verträumt (All in the Golden Afternoon), mal Pink Floydig (Euphoria), dann RnBig und funky (Ain't it Strange), schließlich wieder aggressiv-elektronisch (Ascension Day) - auf jeden Fall nie gewöhnlich. Die Band besticht durch eine sehr ausgefeilte Produktion, kreative, teilweise recht experimentelle Arrangements, aussagekräftige und poetische (oft auch erstaunlich politische)Texte und Golds herausragende Stimme, die zwischen bedrohlich-grollend, opernhaft-tenorig und fragil-sensibel faszinierend viele Facetten zeigt. Selbst die wenigen Songs, die am Album gemessen im Mittelmaß steckenbleiben (z.B. the one thing, faith, impossible dream) bieten immer noch mehr als viele Andere in der Poplandschaft der mittleren 90er - und die meisten Songs empfehlen sich in der Tat als zeitlose Zeugen der Bandbreite, Experimentierfreude und handwerklichen Fähigkeiten einer häufig unterschätzten Band. Für mich eines DER Alben der vergangenen Dekade.