Dieses Buch befasst sich mit den Methoden der ntl. Exegese wie mit den Aufgaben der Kirchengeschichte. Ergänzende Beiträge zu Archäologie, Linguistik und sozialgeschichtlicher Auslegung runden die Einführung ab.
Der Abschnitt "Exegese des Neuen Testaments" wurde von dem Erlanger Privatdozenten Martin Meiser verfasst. Im ersten Kapitel werden die hermeneutischen Weichen gestellt: "Historisch-kritische Exegese ist eine mit dem Mittel der menschlichen Vernunft geleistete, prinzipiell von anderen Menschen nachkontrollierbare Auslegung des biblischen Textes, der als von Menschen verantwortetes, auf die damalige Zeit bezogenes Reden von Gott verstanden wird." (15) Mit dieser Definition der Exegese erweist sich dieses Buch im Vergleich mit den beiden anderen
Büchern (Söding, Thomas: Wege der Schriftauslegung bzw. Neudorfer, Heinz-Werner/Schnabel, Eckard J.: Das Studium des Neuen Testaments) als dasjenige, das die "klassische" historische Kritik wohl am stärksten vertritt. Die Bibel soll wie jedes andere Buch gelesen und interpretiert werden. (16) Auch in diesem Buch wird nicht nur "wissenschaftliche" Exegese betrieben, sondern die vor- und außerwissenschaftliche Begegnung mit dem Bibeltext wird ebenso berücksichtigt. Dazu zählt Meiser die eigene Begegnung mit dem Text und die Rezeption des Textes in verschiedenen Bereichen kirchlichen Lebens (Gebet, Liturgie, Bekenntnis). Leider wird hier zu kurz gegriffen: wenn die wissenschaftliche Beschäftigung "im günstigen Falle auf die Persönlichkeitsentwicklung" (26) einwirken kann, so könnte die persönliche Anrede durch den Text als Nebenprodukt aufgefaßt werden, aber nicht als Ziel der Exegese. Die Exegese sollte immer mit dem Blick auf das bessere Verstehen des Textes zielen, damit das Wort Gottes als lebendiges Wort richtig bzw. besser verstanden und umgesetzt werden kann.
Die Darstellung der Methodenschritte ist gut gegliedert und verständlich formuliert. Die Aufgabendefinition zu Beginn jedes Kapitels erleichtert dem Leser das Verstehen und hilft, die Zielrichtung im Auge zu behalten. Leider sind die Literaturhinweise in den jeweiligen Kapiteln sehr knapp gehalten und das Literaturverzeichnis ist unkommentiert.
Der Abschnitt "Linguistik und Textauslegung" von Petra von Gemünden liefert eine solide Einführung in Semantik, Strukturanalyse und Pragmatik. Auch die Hinweise zur Erstellung einer "Textpartitur" (270) geben dem Studenten die notwendigen Hilfestellungen für eine eigenständige Arbeit mit dem Text.
Dieses Buch ist dank seiner Kürze und klaren Darstellung als Arbeitsbuch für Proseminare wie auch zur Auffrischung der exegetischen Methoden geeignet. Als Arbeitsbuch kann es deshalb gut bezeichnet werden, da es Arbeitsanweisungen zur Exegese als auch sinnvolle Lektürevorschläge zur Vertiefung bietet.
Frank Nippel
Ichthys 31 (2000), 65