Die hilfreichsten Kundenrezensionen
45 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Leckerbissen für Krimikenner, 2. Januar 2005
Von Ein Kunde
Der Schauplatz Venedig erschien mir nach dem Meisterwerk der Patricia Highsmith, nach den handwerklich ordentlichen, doch wenig überraschenden Venedig-Krimis von Edward Sklepowich, Nicolas Remin und Gabrielle Wittkopp abgenutzt, ganz zu schweigen von der unendlichen Venedig-Serie der Donna Leon und dem für meinen Geschmack arg trivialen Grappakrimi der Gabriella Wollenhaupt. Es schien mir kaum möglich, dieser Stadt und ihren in Grund und Boden geschriebenen Mileus noch neue Züge abzugewinnen. Weit gefehlt! Permezzas Commissario Adriano Trattoni fährt im Vaporetto auf dem Canal Grande zum Büro in seiner Dienststelle und wird um ein Haar von einem Afrikaner bestohlen. Am Ufer des Canals werden gefälschte Rolex-Uhren, gefälschte T-shirts sowie gefälschte Romane von Donna Leon angeboten - und sofort entwickelt "Prosciutto di Parma" einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Ein ungewöhnliches Verbrechen ist aufzuklären. Man begleitet dreihundertzwanzig Seiten lang den alten, zuckerkranken und dazu noch vergeßlichen Chaoten im Polizeidienst durch die Serenissima. Dieser Commissario genießt Pizza und Pasta, und der Leser langweilt sich dabei keine Sekunde. Auch in Venedig spürt die Polizei die Folgen der Globalisierung und EU-Erweiterung. Trattoni wird mit Verdächtigen aus Syrien und der Türkei konfrontiert, spürt vergifteten Delikatessen nach, macht sich seine Gedanken über Gott und die Welt, und ermittelt dabei mit oft haarsträubenden Methoden. Der Verlag behauptet zwar, das Buch sei ein Debut, aber da erscheinen mir doch erhebliche Zweifel angebracht. Die Autorin kennt nicht nur Venedig wie ihre Handtasche, sondern auch das Genre Kriminalroman, mit dessen Erzählstrategien sie souverän spielt. Die mit der Handlung verknüpften Anspielungen, Zitate und Verweise (nicht nur auf Thomas Mann!) verschaffen dem Krimikenner zusätzliches Vergnügen. Sie sind sozusagen das Sahnehäubchen auf diesem raffiniert zubereiteten Cappuccino, dessen gebrochener Held nicht zögert und zaudert, bevor er die Gefährdung Venedigs beseitigt hat und sich wieder seinen brioche zuwenden kann. Fünf Sterne, obwohl dieses Juwel mindestens sechs verdiente.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Parodie statt Plagiat, 10. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: Prosciutto di Parma: Commissario Trattonis tiefster Fall. Ein Kriminalroman aus Venedig (Taschenbuch)
Nicht überall wo Prosciutto di Parma drauf steht, ist Parmaschinken drin. Das lernen wir bei dieser Lektüre. Nicht jeder Krimi, in dem ein venezianischer Commissario ermittelt, ist von Donna Leon, aber das ist gar nicht schlimm. Viele Leser sind erbost über das scheinbare Leon-Plagiat, das sich Franca Permezza angeblich erlaubt hat. Eine Fälschung ist es aber nicht, sondern eine überaus witzige Parodie auf die vielen Ausländer, die ihre Geschichten in Venedig angesiedelt haben und ganz besonders eben auf Donna Leon, deren Protagonisten die Autorin dreist umgemodelt hat. Und was passiert? - diese Figuren sind plötzlich "echte" Italiener! Signorina Elektra (Elettra) ist plötzlich eine Frau aus Fleisch und Blut, und Commissario Trattoni (Brunetti) kein Hochglanz-Werbeitaliener, sondern ein sehr eigenwilliger, vergesslicher Venezianer, der seine Landsleute kennt und sich überwiegend auf seine Intuition verlässt. Der Jüngste ist er auch nicht mehr: Treppensteigen ist anstrengend, und nicht nur bei Nebel und Aqua Alta spürt er seine Knochen. Er isst mit Leidenschaft und Unvernunft; das bringt leider gewichtige Gesundheitsprobleme mit sich, wenn das Alter in greifbare Nähe rückt. ("Die Venezianer bauen für die Ewigkeit und essen so, als ob jede Mahlzeit ihre letzte wäre.") Ja, der Unterschied wird beim Lesen sehr deutlich: Das ist keine Außensicht auf die legendäre Lagunenstadt, da steckt pures Insiderwissen drin. Selbst die eingestreuten italienischen Floskeln sind andere als die, die wir Touristen so gerne verwenden. Beim aufmerksamen Lesen bekommt man aber auch hier gute Tipps, was man in Venedig essen sollte, und außerdem wann und wo (und wann und wo nicht!). Franca Permezza muss es wissen. Sie ist eine waschechte Contessa und in Venedig aufgewachsen; studiert hat sie in Florenz und Rom. Heute betreibt sie eine Galerie in San Francisco, "wo es noch mehr Nebel gibt als in Venedig". Dass sie darüber hinaus auch eine eifrige Leserin sein muss, zeigen die vielen direkten und indirekten Hinweise auf andere Schriftsteller. ("Venedig kann sehr kalt sein" sagt der Commissario). Das Buch ist gespickt damit und steigert das Lesevergnügen noch. Hoffentlich erscheinen noch mehr Romane um Commissario Trattoni; er ist zu unterhaltsam, um nur ein einziges Mal zu ermitteln. Dies meinen auch viele italienische Rezensenten, die voll des Lobes über dieses Buch sind. Im Gegensatz zu Donna Leon, die sich auf italienisch nicht publizieren lässt ("Privatsphäre"!? usw.) traute sich Franca Permezza, ihren Roman auch in Italien zu veröffentlichen. Helga Kurz
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Schwäche in Potenz, 28. September 2005
Von Ein Kunde
Brunetti-Verschnitt ist noch geprahlt. Weder die Hauptfigur, Commissario Trattoni, noch irgend jemand anderes im Roman haben Profil.Sprachlich äußerst dürftig, kein Witz oder Humor, nicht mal ein interessanter Fall- das Buch ist das Papier nicht wert, auf dem es gedruckt wurde. Noch nicht einmal die Beschreibungen Venedigs und Acqua Alta sind fesselnd. Schade, eine vertane Chance. Der oben genannte Stern ist nicht einmal existent, mußte nur wegen einer Bewertung angegeben werden.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
|