Oh weh, Kopfschmerz lass nach !!! Das junge Quintett von AND HELL FOLLOWED WITH ist mal wieder einer dieser hochgejubelten Prügel-Combos aus dem Deathcore-Genre. In musikalischer Hinsicht verheißt dies leider nichts Gutes - denn der wahnsinnigen, viel zu überdrehten Ausrichtung von Bands wie SUICIDE SILENCE , WHITECHAPEL oder älteren JOB FOR A COWBOY kann ich persönlich nur wenig Positives abgewinnen.
Ein Höchstmaß an Aggression...viel sinnfreies Geballer ohne jeglichen Wiedererkennungswert...dämlicher Prollo-Charme zum Fremdschämen...aber richtig durchdachte Songs muss man dabei vergeblich mit der Lupe suchen. Und dies ist für mich das Totschlagargument schlechthin!
Zur Ehrenrettung von AND HELL FOLLOWED WITH möchte ich jedoch anbringen, dass die 12 Songs von "Proprioception" insgesamt gar nicht mal sooo übel sind. Mit den beiden heftigen Extrem-Prüglern "Mara" und "This night is the coroner's" beginnt der 41-Minüter sogar recht vielversprechend, wobei die abstrakt verworrenen Gitarrenläufe einen gewissen CANNIBAL CORSPE-Touch haben. Hin und wieder wird dann mal ein konfuses MESHUGGAH-Lead angespielt, dem im nächsten Moment aber wieder der Garaus gemacht wird. Der Shouter - gesanglich eine Kreuzung aus King Kong und Godzilla - kreischbrüllt sich dabei seine schwarze Seele aus dem Leib. Dazu verdrischt der Drummer sein Schlagzeug mit beinahe unmenschlicher Präzision und prügelt die Songs unnachlässig von einem Extrem ins nächste. Auf dem Uptempo-Höhepunkt erfahren die Songs dann unerwartet einen Bruch, bevor dann urplötzlich ein wuchtiger Metalcore-Breakdown aus den Boxen knallt. So weit, so gut...fast schon cool irgendwie.
Das Problem ist nur, dass sich bereits beim nachfolgenden "Deadworld reclamation" eindeutige Verschleißerscheinungen bemerkbar machen, und der Hörer einfach das Gefühl hat, denselben Song grad schon mal gehört zu haben. Und genau an dieser Stelle kann man bei AND HELL FOLLOWED WITH den Finger direkt in die Wunde legen: Denn letztlich ist "Proprioception" nur eine bloße Aneinanderreihung zusammengeklauter Aggro-Riffs, die schon vor mehreren Jahren ziemlich unspannend waren. Packende Melodien sind durchgehend Mangelware , gute Songideen werden im nächsten Moment rücksichtslos zusammengedroschen. Einzeln betrachtet (!) sind Nackenbrecher wie "From burning sentiments" , "One of the swarm" , "Venomsplitter" oder "Rotting procession" wirklich nicht von schlechten Eltern. Aber im Gesamtpaket tönt jeder Song wie der vorherige bzw. der darauf folgende. Austauschbare Massenware für die schnell zufriedenzustellende Deathcore-Generation, die musikalischen Anspruch oder ausgewogenes Songwriting eh nicht zu schätzen weiß.
Ich finde es wirklich ärgerlich, denn AND THE HELL FOLLOWED WITH haben teilweise einiges auf dem Kasten, was z.B. die durch feine Melodielinien überzeugenden "A welcome displeasure" und "Perpetrual abyssma" beweisen. Aber scheinbar möchte der Detroit-Fünfer einfach keine Ideen investieren, weswegen "Proprioception" letztlich doch eine Enttäuschung ist. Mir wäre es auch lieber gewesen, wenn meine Bewertung einige Sterne höher ausgefallen wäre. Aber wo nichts wächst, da kann man auch nichts erneten.
"Geschmäcker sind verschieden!" sprach der Affe und biss in die Seife. Und unter gewissen Gesichtspunkten kann ich sogar nachvollziehen, dass einige Hartgesottene dieses musikalische Konzept sogar mögen können. Somit sollten alle beinharten Deathcore-Maniacs bei "Proprioception" also bedingungslos zuschlagen, und sich das nächste deftige Psycho-Meisterwerk ins Regal stellen. Für den Fan normaler Stromgitarrenmusik ist diese Scheibe aber leider langweilig wie Uwe.
Ach ja, noch eine Anmerkung für alle Nörgler: Jaaa, meiner Meinung nach darf man bei Amazon auch CD's von Bands rezensieren, die einem nicht gefallen. So viel Kritikfähigkeit sollte heutzutage drin sein.