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Das breite Publikum kennt Nick Cave in erster Linie als Sänger (Hit: "Where The Wild Roses Grow"). Der von seinen Eltern, einer Bibliothekarin und einem Englisch-Lehrer, sehr streng anglikanisch erzogene Australier hat sich jedoch durch seine literarische Tätigkeit (And The Ass Saw The Angel, King Ink, King Ink II) auch einen Namen als Romancier gemacht. Zudem wirkte er in den Filmen wie Der Himmel über Berlin, dem experimentell-dokumentarischen Jonas In The Desert und Rhinoceros Hunting In Budapest mit, komponierte für letztere Zwei sowie To Have And To Hold den Soundtrack. The Proposition ist nach Ghosts Of The Civil Dead (Cave verkörpert darin eine zentrale Rolle!) sein zweiter Kinostreifen, für den der Ex-Kunststudent das Drehbuch verfasste. Und diesmal steuerte er sogar noch die Filmmusik bei!
Das unter anderem mit Guy Pearce (Memento), Emily Watson (Hand an der Wiege) und John Hurt (Harry Potter und der Stein der Weisen) in Winston/Queensland realisierte Drama, welches wieder unter der Regie seines guten Freundes John Hillcoat entstand, spielt um 1880 im australischen Outback. Captain Stanley erwischt die beiden flüchtigen Brüder Charley und Mickey Burns auf frischer Tat bei einer blutigen Vergewaltigung. Der Sheriff schlägt Charley vor, dass er seinen älteren Bruder Arthur (Anführer der Gang) töten muss, um ohne Inhaftierung davonzukommen. Nachdem Mickey vom Captain eingesperrt worden ist, erwartet der Ordnungshüter, dass Charley seinen Vorschlag in die Tat umsetzt!
Diese Story wird in langsamem Tempo und ebensolchen Bildern erzählt. Der Zuschauer kann buchstäblich die schweißtreibende Hitze spüren, den Staub atmen, die Fliegen surren hören. "104 zermürbende Minuten lang", schreibt Der Spiegel', "geht es Einwanderer gegen Eingeborene, Weiß gegen Weiß, Schwarz gegen Schwarz, Mann gegen Frau, Mann gegen Mann. Eindrucksvoll zeigt der Film, wie es damals gewesen sein könnte in Australien, als es noch kein Recht und kein Gesetz gab, keine Moral und keine Zahnärzte".
Die Ausweglosigkeit des menschlichen Daseins bildet für den "Fürst der Finsternis" (WOM-Magazin) zum zweiten Mal das zentrale Thema. In seinem Drehbuch und der meist melancholischen Musik. Diese klingt "so quälend und verloren wie die Landschaften, die in The Proposition eine tragende Rolle spielt" (Der Spiegel'). Aufgenommen hat Cave (Gesang, Piano) die 16 morbiden Lieder mit Warren Ellis (Violine, Loops) und Bassist Martyn Casey (beide von seiner Begleitband The Bad Seeds) sowie Drummer Jim White (The Dirty 3) und, bei "The Rider" beziehungsweise der exzellenten Ballade "The Rider Song", je einem Gitarristen. Generell gibt es während 42 Minuten 25 Sekunden minimalistisch-arrangierte, atmosphärisch-dichte Songs zu hören, die illusionslose Skizzen von Randexistenzen, Einsamkeit, Schmerz und Alltags-Mythologie sind. Thomas Hammerl
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