Ich habe das Buch von einer Kollegin bekommen, da wir bei der Arbeit (Zahnärzte) auch mit Propolis arbeiten.
Der Autor hat zweifellos eine lange Erfahrung in der Imkerei. Er hat mit dem vorliegenden Büchlein eine Fleißarbeit abgeliefert und eine Fülle an Wissen zusammen getragen. Nach meinem Geschmack hätte diesem Werk allerdings ein fähiger Lektor gut getan, denn das Layout sowie die Inhaltliche Gestaltung erscheinen doch eher Laienhaft. So wiederholen sich identische Textpassagen über mehrere Absätze innerhalb weniger Seiten. Gleich lautende Textpassagen sind des öfteren zu finden - dafür fehlt es an anderer Stelle an Erklärungen von Begriffen, die für den nicht mit der Materie behafteten Leser unverständlich bleiben. Peinlich wird es, wenn von "grusinischen" Medizinabhandlungen geschrieben wird oder wer weiß, dass Grusinien eine alte russische Bezeichnung für Georgien ist? Ein Glossar, wie es in medizinischen Arbeiten immer zu finden sein sollte, fehlt hier völlig. Die mangelhafte Aufklärung des Lesers bezieht sowohl sich auf Fachbegriffe aus der Imkerei als auch aus der Medizin. Wer weiß denn schon was ein "Beute" (und damit ist nicht das Ergebnis eines Raubzugs gemeint) oder ein "Propoliseintrag" ist? Was ist Apitherapie? Auch relativ ähnlich lautende Begriffe wie: Antibiotisch, bakterizid, antimykotisch... werden fast synonym gebraucht ohne dem Leser zu erläutern welche exakte Bedeutung dahinter steckt. Es ist in meinen Augen auch nicht sehr klug aus wissenschaftlichen Arbeiten mit entsprechenden Fachbegriffen zu zitieren und anschließend dem medizinischen Laien nicht zu erklären, was die Aussage des Zitats bedeutet.
Wenn sich ein kleines Büchlein dem geneigten Leser nur erschließt, indem er ein Lexikon beim Lesen benutzen muss, dann wird das Lesen zur Qual. Vielfach bekommt man den Eindruck, dass da nur aus dem Internet oder anderweitiger Literatur (besonders im Bereich "Geschichte" oder "Zusammensetzung der Propolis") Textbausteine im Originalzustand zusammen gestückelt worden sind welche wegen des unterschiedlichen Schreibstils nicht miteinander harmonieren, deswegen keinen Lesefluss zulassen und dies das Lesen unnötig anstrengend und zäh macht. Kleine zum Schmunzeln anregende Ausrutscher sind z.B. auch die Erläuterungen der prozentualen Zusammensetzung der Propolis. Diese ergibt in der Summe aller Bestandteile nur 95%. So etwas sollte nach 23 Jahren bei der 4. Auflage wirklich nicht mehr vorkommen. Auch die genaue Bedeutung und exakte medizinische Wirksamkeit der einzelnen Bestandteile -besonders der Flavonoide- bleiben zum größten Teil im Verborgenen.
Der breite Randbereich der einzelnen Seiten ist zum Teil mit unnötigen Bildern überfrachtet (wer will schon sehen, wie ein Propolistropfen in ein Tasse fällt oder mehrfach den Eingangsbereich eines Bienenstocks gezeigt bekommen?) und könnte besser genutzt werden die dadurch künstlich aufgeblähte Seitenzahl zu verringern oder den gewonnenen Platz durch sinnvolle zusätzliche Detailinformationen zu füllen.
Was mich aber am meisten stört sind Aussagen, die als prominente Randnotizen schon gefährlich werden können wie z.B.: "sogar Schwangere können Propolis einnehmen" und das bei einer nachgewiesen extrem Allergie auslösenden Eigenschaft des Präparats. Da wäre -allein aus rechtlicher Sicht- doch eher Vorsicht in der Formulierung angebracht. Zum Glück kommt allerdings häufig der Hinweis, dass man die Propolis-Therapie mit dem jeweils behandelnden Arzt absprechen soll.
Mehrfach weist der Autor darauf hin, dass Propolis je nach Jahreszeit, Bienenstamm und geografischer Lage recht unterschiedliche Zusammensetzungen haben kann. Daraus resultierend sollte man auch von unterschiedlicher Wirksamkeit ausgehen müssen. Welches allerdings das ideale (aus welchem Land, welcher Lage, von welchem Stamm, zu welcher Jahreszeit gewonnene...) Propolis ist und wie ich an dieses gelange, wird leider nicht verraten.
Der zweite Teil des Buches beschäftigt sich dann mit den Darreichungsformen und der Anwendung der Propolis. Um auf diesen Bereich genauer eingehen zu können fehlen mir noch verlässliche Langzeitergebnisse und eigene Erfahrungen, die ich erst sammeln muss. Aber ich denke, dass ich für den Einsatz der Propolis in dieser Lektüre zahlreiche Anregungen bekomme.
Mein Fazit - gerade noch 2 Sterne:
Wer sich über Propolis informieren möchte, findet in diesem Büchlein eine recht umfangreiche Zusammenfassung (für diese Fleißarbeit mein Kompliment an den Autor), die aber schwer verdaulich ist, weil es an einem vernünftigem Lektorat gemangelt hat. Das Buch zu lesen ist anstrengend, weil kein ruhiger Textfluss vorhanden ist und anscheinend Textbereiche aus unterschiedlichsten Quellen aneinander gereiht worden sind, ohne diese in einen einheitlichen Schreibstil zu überführen. Die Anwendungsbeispiele und die Anweisungen zur Herstellung einzelner Rezepturen scheinen recht ordentlich zu sein aber die Detailinformationen über das Präparat sind unzureichend. Für den Laien ist dieses Buch nicht verständlich genug geschrieben und als eher wissenschaftliches Werk fehlen essentielle Bausteine, wie ein Glossar und/oder in den Text eingebundene Begriffsbestimmungen.