Seit längerem befasse ich mich mit hellsichtigen Vorhersagen sowie Visionen, und habe auch schon ein wenig begonnen, die Inhalte zu vergleichen. Dabei fielen mir mehrere Rote Fäden auf, die Stephan Berndt sehr sorgfältig und mittels akribischer statistischer Berechnungen exakt herausarbeitet. Eine seiner Quellen ist dabei das "Lexikon der Prophezeiungen" von Karl Leopold von Lichtenfels, das eigentlich auch mehr eine Untersuchung ist als eine bloße Aufzählung. Die beiden Autoren nehmen häufig Bezug aufeinander; sie untersuchen größtenteils dieselben Quellen, aber mit unterschiedlicher Zielrichtung: Berndt mehr statistisch-wissenschaftlich, von Lichtenfels mehr spirituell.
Bei den mit schöner Regelmäßigkeit auftauchenden Prophezeiungsinhalten handelt es sich zum Großteil um umwälzende Ereignisse in Mitteleuropa aufgrund kriegerischer Entwicklungen, aber auch infolge von Naturkatastrophen. Hinzu kommt die berühmte weltweite "dreitägige Finsternis", die uns z.B. beim nachweislich paranormal begabten bayerischen Seher Alois Irlmaier aus Freilassing begegnet, aber auch in Dutzenden anderer Weissagungen aus den unterschiedlichsten Epochen, und bei der es sich eher um ein kosmisches oder transzendentales Ereignis zu handeln scheint.
Einziges Manko des Buches: Der Autor schießt sich dabei mittels seiner "verlässlichsten Zeugen" auf ein ganz bestimmtes Szenario mit ganz bestimmtem Ablauf ein, das kaum Variationsbreite mehr zulässt.
Vor allem der Aspekt einer Zukunft mit mehreren Alternativen, entsprechend der Wahlfreiheit des Menschen, kommt mir persönlich deutlich zu kurz (wie Meister Yoda es so schön sagt: "Immer in Bewegung ist die Zukunft"...). Entsprechend musste der Autor auch einige seiner allzu konkreten Vorhersagen, insbesondere was den zu erwartenden Eintrittszeitpunkt betrifft, schon etliche Male in Neuauflagen korrigieren. Immerhin hat er dabei auch immer wieder neu eintreffende weitere Prophezeiungen berücksichtigt.
Gewöhnungsbedürftig ist sein ziemlich flapsiger Stil, der aber seiner Genauigkeit keinen Abbruch tut.
Alles in allem: Spannend und oft auch unterhaltsam zu lesen, trotz des sehr ernsten Hintergrundes.
Vor allem: Das Buch regt zum Nachdenken und zur Selbstkritik an, und das will es auch. Leseempfehlung vor allem für Leute, die sich schon etwas mit dem Thema befasst haben. Ich empfehle auch, das Buch von Karl Leopold von Lichtenfels parallel zu lesen. Vier Augen sehen bekanntlich immer mehr als zwei.