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Promovieren mit Plan – das klingt erst einmal gut. Auch der Aufbau des Buches in fünf konsekutive Abschnitte, die jeweils einer Phase der Promotion entsprechen (Einstieg, Konkretisierung, Forschung, Texterstellung, Abschluss) und die Empfehlungen der Autorinnen zur Selbstorganisation, zur Themenwahl, zur Erhebung und Verwaltung der eigenen Daten, zur Prüfungsvorbereitung bis hin zum Umgang mit Chefs und Kollegen sind durchaus nachvollziehbar. Dennoch ist es offenbar allein damit nicht getan, wie man aus den Bewertungen ableiten kann.
Eines der Probleme ist wohl, dass die Ratschläge der Autorinnen (natürlich) auf ihren eigenen Erfahrungen beruhen, die sie in den Geistes- bzw. Sozialwissenschaften gewonnen haben. Promotionen in diesen Wissenschaften laufen jedoch anders ab als in der Medizin, in Jura, in den technischen Disziplinen oder in den Naturwissenschaften. Das bedeutet wiederum, dass viele Ratschläge, sollen es denn überhaupt welche sein, allgemein gehalten sein müssen, etwa nach dem Motto: „Erstellen Sie einen Arbeitsplan und nutzen Sie die täglichen Hochphasen Ihres individuellen Biorhythmus’ für geistig besonders fordernde Aufgaben“. Solche Aussagen werden die meisten Promovierenden indes als banal empfinden, und ich vermute, das ist weitgehend unabhängig davon, ob sie die in dem Buch enthaltenen Anregungen grundsätzlich akzeptieren oder gleich als nicht umsetzbar verwerfen.
Die Enttäuschung vieler LeserInnen ist somit groß, weil der Ratgeber nicht leistet, was man sich von ihm erwartet oder zumindest erhofft hat. Doch selbst der beste Ratgeber kann einen Promovierenden nicht an die Hand nehmen und ihm sagen, was genau in seiner spezifischen Situation zu tun ist. Natürlich wäre es toll, wenn das Lesen eines Ratgebers so etwas wie einen HB-Effekt zur Folge hätte (= dann geht alles wie von selbst), aber gerade bei der Erkundung von Neuland, und genau das bedeutet Promovieren doch, ist man selbst da, wo vorn ist. Wo also soll die Hilfe herkommen? Ein wesentlicher Teil der Promotionsleistung liegt eben nicht zuletzt darin, über lange Zeit einen sehr einsamen Weg zu gehen. Wie dieser Weg aussieht und welche verschlungenen Pfade und Irrwege man dabei einschlägt, ist eigentlich zweitrangig. Entscheidend ist nur, dass der Atem reicht, um am Ziel anzukommen.
Allerdings tragen die Autorinnen auch durch ihren Schreibstil dazu bei, dass das Buch nur auf verhaltene Resonanz stößt. Das fängt bereits beim Vorwort an: „Hinweise, Tipps und Tricks in diesem Ratgeber werden Ihnen den Weg zum Ziel erleichtern: den erfolgreichen Abschluss Ihrer Promotion“. Ist die erfolgreiche Promotion also der Weg zum Ziel? Was ist dann das Ziel? Oder sollte es „dem erfolgreichen …“ heißen? Schwer zu verstehen ist auch der Satz: „Zwar steckt das viel beschworene Postulat der Interdisziplinarität trotz allgemeiner Anerkennung aufgrund der "Abschottungstendenzen" der einzelnen Disziplinen noch immer in einer Warteschleife“ (S. 16). Ein Postulat, das in einer Schleife steckt (die übrigen Ungereimtheiten lasse ich bewusst weg)? Hier habe ich mich gefragt, wie die Autorinnen anderen helfen wollen, wenn sie selbst nicht ausdrücken können, was sie meinen. Und geradezu kontraproduktiv für einen Promotionsratgeber fand ich den Satz (S. 61): „Was tun angesichts der immer offensichtlicheren Unzulänglichkeit menschlicher Leistungsfähigkeit?“ Das klingt nach Resignation, nicht nach Motivation.
Doch es gibt auch richtig gute Sätze in dem Buch. Dazu gehören aus meiner Sicht: „Stellen Sie ihre Arbeitsergebnisse vor und nutzen Sie die Chance, dass andere Menschen sich mit Ihrem Thema auseinandersetzen …“ und: „Nur eine geschriebene Dissertation ist eine gute Dissertation“. Konkret bedeutet der zweite Satz nämlich: „Schreiben Sie, und zwar so oft und so viel wie möglich! Machen Sie sich dabei keine Gedanken über den Papierverbrauch und auch nicht darüber, ob Ihre Doktorarbeit literarischen Anforderungen genügt; es reicht völlig, wenn sie von einem kleinen, fachinternen Kreis verstanden wird. Halten Sie sich also nicht lange mit der Suche nach besonders wohlklingenden Formulierungen auf. ‚Schöne’ Bücher können Sie später immer noch schreiben.“
Gäbe es in den Promotionsratgebern mehr Appelle dieser Art, wäre ihre Akzeptanz vermutlich wesentlich höher. Denn PromovendInnen brauchen vor allem eines: das Gefühl, ihre Aufgabe meistern zu können. Und genau darin sollten die Ratgeber sie unterstützen.
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