Im Gegensatz zu meinem Vorrezensenten hat "Peter und der Wolf" mich in der Vergangenheit niemals angesprochen. Das Werk wurde in der Schule von vorn nach hinten und zurück besprochen, aber einen Zugang habe ich zu weder zur Musik noch zur Geschichte bekommen - bis ich nun Jahre später diese Version zufällig als Fernsehausstrahlung zu sehen bekam...
Binnen kürzester Zeit hatte mich Suzie Templeton mit ihrem eigenwilligen Animationsfilm in den Bann geschlagen. Sie hat auf eine gesprochene Erzählung verzichtet und die mir sonst so unzugängliche Musik in ausdrucksstarke Bilder gefasst, von denen ich nicht sagen könnte, ob die Musik für diese Bilder oder die Bilder für diese Musik geschaffen wurden, wenn ich es nicht wüsste. Jedem ihrer einzigartigen Charaktere hat sie eine unglaublich aussagekräftige Individualität verliehen, die jedes gesprochene Wort überflüssig macht. Ein recht düsteres aber authentisches Szenario, die meist subtile Mimik(!) der Protagonisten und die liebevoll zur Perfektion ausgearbeiteten Bewegungen ließen mich mit Peter und den anderen mithoffen, mitleiden, mitfreuen!
Dass der Film etwas für Freunde dieses Prokofjew-Werkes ist, kann man aus der vorangegangenen Rezension ersehen. Er kann aber auch Menschen einen Zugang zu dieser Materie ermöglichen, die sich sonst eher wenig mit "Peter und der Wolf" identifizieren können. Jedoch sei an dieser Stelle für alle Musiklehrer, die jetzt hoffnungsfroh aufblicken, gesagt, dass der Film aufgrund seiner düsteren Authentizität für zartbesaitete Kinder sicher weniger geeignet ist. Und den Menschen, die sich jetzt desinteressiert abwenden, da für sie ein Zugang zu "Peter und der Wolf" nicht im Mindesten erstrebenswert ist, sei gesagt: Vergesst den Zugang, dieser Animationsfilm ist ein meisterlich gestalteter und höchst ansprechender Zeitvertreib!