Spannend, flott und intelligent mag der erste Dreamworks-Film ja sein - aber er tritt auch unangenehm für die Preisung US-amerikanische Paranoia in Sachen Weltherrschaft ein.
Nicht alles, was unwahrscheinlich klingt, wird auch geschehen. Sowohl die von Spielberg, Katzenberg und Geffen eben neu gegründeten "DreamWorks SKG" als auch die "Emergency Room"-Regisseurin Mimi Leder (ein Jahr darauf: "Deep Impact") wollten mit "Projekt: Peacemaker" alles erreichen und haben vielleicht einen Tick zu viel versucht - das betrifft nicht nur die beachtliche 2-Stunden-Länge...
1997 war noch manches anders: Nicole Kidman trat mit dunklem Haar auf (zumindest zunächst... :) - nicht nur das, sie war auch der Star(!) und erhielt deutlich mehr Gage (5 Mio. US-Dollar) als George Clooney (3 Mio. US-Dollar). Insgesamt verschlang der Film stolze 50 Millionen Dollar.
Dr. Julia Kelly (Nicole Kidman, 30) ist Fachfrau für "chain reactions" und versteht es auch ohne Atombusen grandios, ihren Kühlkörper wirkungsvoll einzusetzen: Der witzig-egomanische Special Forces Colonel Thomas Devoe (George Clooney, 36) zeigt erste Anzeichen einer Kernschmelze. Es entwickelt sich eine amüsante und aufreizende Dauerkabbelei - sowie eine Hetzjagd quer durch die Kontinente auf eine in Russland auf dem Weg zum Sondermüll geklaute "personal nuke": Dusan Gavric, ein beeindruckender Pianist, Philosoph und frisch gekürter Terror-Minister mit serbokroatischem Migrationshintergrund (Marcel Iures, 46) möchte nämlich ganz gerne das UN-Gebäude einebnen, um an der UNO Vergeltung für deren Rolle bei der Zerstörung Jugoslawiens zu üben...
Auch wenn man viel in diesen Film hineingepackt hat, auch wenn die Darsteller bis hin in die Nebenrollen hochkarätig besetzt sind (u.a. auch Armin Müller-Stahl...), auch wenn nicht jeder "James Bond" für die englische Regierung arbeiten müsste - ein paar Dinge stören und hinterlassen einen faden Geschmack: Da wäre die Diskrepanz zwischen dem Unwahrscheinlichkeitsdogma des Films und der traurigen Wirklichkeit von Militär und Geheimdiensten der USA. Für Filme dieses Metiers empfiehlt sich deshalb: Entweder man verfremdet den ganzen Militär- und Geheimdienst-Background so weit weg von der Realität wie bei 007, oder man dreht diese Sorte "zynischer und trister Agentenfilm" nach historischem "Nadel"-Vorbild. Filme, die sich unreflektiert in der Machbarkeit des Hitech-Krieges suhlen, beamen sich selbst ins Geschmacksabseits.
Im Eifer der ersten Produktion haben die Traumtänzer - sorry, Traumwerker - eben doch ein bisschen zu viel zusammen gewürgt. Die Jagd nach dem Sprengkopf durch Manhattan erinnert schon fatal an Volleyball mit einer gezogenen Handgranate. So etwas hätte ich eher in einer "Verscheißerei" erwartet, mit dem Aufreißer-Paar Kidman/Clooney dann eben passenderweise unter dem Titel "Nackte Kanone 9 1/2" oder "Mr. & Mrs. Seltsam".
Wie auch immer - wer sich die kritische Distanz zum fragwürdigen Hau-Ruck-Patriotismus bewahrt, kann sich das Teil gut ansehen, das Balzgehacke zwischen Clooney und Kidman macht ausgesprochen Spaß, die Action ist auch nicht langweiliger und unglaubwürdiger als anderswo - der Film wäre also OK, wenn man davon absieht, dass sich US-Militärwerbung leider nicht mit Werbe-Pausen begnügt.
film-jury 3* A0218 23.1.2011e Genre: Action | Thriller