Aus der Amazon.at-Redaktion
"Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns" -- unter diesem Motto steht letztlich nicht nur das Mahnmal am Wiener Judenplatz, sondern auch das Buch, das Simon Wiesenthal anlässlich der Eröffnung dieses Mahnmals herausgebracht hat. Die Autoren -- Zeit- und Kunsthistoriker, Schriftsteller, Publizisten und Architekten -- beleuchten in ihren Beiträgen nicht nur die Geschichte des jüdischen Volkes in Wien, sondern versuchen auch eine Interpretation der jahrhundertelangen Judenverfolgung in einem neuen historischen Kontext und diskutieren über ästhetische und theoretische Fragen der Mahnmal-Architektur.
Ausgangspunkt der Diskussion ist das von der britischen Künstlerin Rachel Whiteread gestaltete Monument, eine nicht zugängliche Bibliothek, deren Wände von umgekehrt stehenden Büchern gebildet werden, "eine minimalistische Darstellung eines hermetisch versiegelten Archivs der öffentlichen und privaten Erinnerungen". Und als solches will es Simon Wiesenthal, der Initiator des Projekts auch verstanden wissen -- als Mahnung und Erinnerungsstütze, wie Menschen allzuleicht Opfer einer unmenschlichen Ideologie werden können. Breiten Raum nimmt auch die lange Geschichte bis zur endgültigen Verwirklichung ein -- selbst die trockene Chronologie dieses sechsjährigen Kampfes macht deutlich, dass es immer noch nicht zu unterschätzende Ressentiments gegen eine solche Erinnerungsstätte gibt.
Die Beiträge sind -- wenn auch mit unterschiedlichen Ansätzen -- nicht nur ein Plädoyer für dieses Mahnmal, sie fordern den Leser auch auf, sich mit der Geschichte der Judenverfolgung und deren Auswirkungen auseinanderzusetzen, über Verantwortung nachzudenken und sich nicht zuletzt der Herausforderung der Erinnerung zu stellen. Ein empfehlenswertes Buch. --Lisbeth Legat
Kurzbeschreibung
Im Herbst dieses Jahres wird das "Projekt : Judenplatz Wien" eingeweiht, das sich von der ursprünglichen Form des singulären Mahnmales von Rachel Whiteread durch archäologische Funde und dem Museum am Judenplatz zu einem zusammenhängenden Mahnmal-Ensemble entwickelt hat. Über Architektur der Verantwortung und des Erinnerns, sowie der Interpretation des Holocaust in einem neuen historischen Kontext diskutieren mit Simon Wiesenthal namhafte Zeit- und Kunsthistoriker, Architekten, Schriftsteller und Publizisten.