Kurzbeschreibung
Dies ist das definitive Buch über die Programmiersprache Oberon, die im Rahmen des Oberon-Projektes als objektorientierter Nachfolger von Pascal und Modula-2 entwickelt wurde. Vollständige Definition und Erklärung von Syntax und Semantik; eine aufeinander abgestimmte Serie von Beispielen mit steigender Komplexität bis hin zu einem realistischen Simulationspaket; Erklärung des objektorientierten Programmierens und seiner Vorteile.
Vorwort
Die Sprache der Informatik ist englisch; die Sprache dieses Buches über einen Gegenstand der Informatik ist deutsch. Ein Widerspruch? Ja sind Nein. Ja, weil es schlechtweg unmöglich ist, gewisse Teile ins Deutsche zu übersetzen. Beispiele sind die reservierten Wörter und vordefinierten Namen der Programmiersprache Oberon (zum Beispiel IF, WHILE, RECORD, COPY). Eine konsequente Übersetzung der Programmbeispiele würde zu syntaktisch falschen Programmen führen. Daraus folgt, daß jeder, der sich mit Informatik befaßt, eine gewisse Grundmenge von englischen Begriffen lernen und benutzen muß. Neben den inhärent englischen Begriffen existiert aber noch eine Anzahl von Ausdrücken, die zwar übersetzbar sind, für die aber die Kenntnis des englischen Originalbegriffs hilfreich sein kann. In solchen Fällen gibt dieses Buch den Originalbegriff in Klammern hinter der Übersetzung an. Beispiele sind die Begriffe Zeiger (pointer), automatische Speicherbereinigung (garbage collection) und Sichtbarkeitsbereich (scope).
Abgesehen davon, daß einzelne Fachwörter nicht übersetzt werden können, hilft es besonders dem Programmierneuling, programmieren in einer vertrauten Sprache zu lernen. Außerdem soll durch die Übersetzung dieses Buches der Programmiersprache Oberon ein Interessentenkreis erschlossen werden, der weit über den akademischen Bereich hinausgeht. In der Tat eignet sich "Programmieren in Oberon" durch seine Gliederung und die sorgfältige Auswahl der Beispiele und Übungen auch für den Informatikunterricht an Mittelschulen und technischen Lehranstalten sowie für das Selbststudium.
Die Schwierigkeiten der Übersetzung von Informatik-Literatur zeigen sich auch in der turbulenten Vorgeschichte dieses Buches, das eigentlich schon früher hätte erscheinen sollen. Die vorliegende deutsche Ausgabe verdankt ihre Entstehung nicht zuletzt der ideellen und materiellen Unterstützung innovationsfreudiger Firmen und Institutionen, die unten genannt sind. Dank gebührt auch den Autoren Dr. Martin Reiser und Prof. Niklaus Wirth für die aktive Unterstützung und Frau Susanne Spitzer von Addison-Wesley für die angenehme Zusammenarbeit.
Die Verfügbarkeit geeigneter Programmiersysteme ist für eine effektive Programmierausbildung von großer Bedeutung. Für Oberon werden von der ETH-Zürich qualitativ hochwertige Implementierungen für nahezu alle Plattformen bereitgestellt. Diese Systeme sind nun durch das Medium CD-ROM auch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Die Vision der Programmierausbildung mittels interaktivem elektronischen Lehrbuch rückt damit ein Stück näher und kannte zu Spekulationen über zukünftige Oberon-Bücher Anlaß geben.
Dr. Josef Templ
27 Juni 1994