Dieses Buch lässt sich mit Enthusiasmus an einem Wochenende durcharbeiten. Ich habe es vor Jahren gekauft, und jetzt durchgearbeitet. Dies ist eigentlich eine ziemlich positive Aussage über die Qualität eines Buches, denn zum Durcharbeiten reichen ein Common-Lisp-Interpreter, ein Bleistift und das Buch selbst.
Größtenteils ist das Buch einfach gut geschrieben, wenn auch etwas trocken. Es ist einfach ein wenig zu akademisch, aber es ist ja auch von einem Professor geschrieben worden, und nicht von einem Entwickler.
Das führt auch zu den klaren Schwächen des Buches: Es ist/hat keine Referenz für Common Lisp (weiterhin: CL), und es vermittelt auch nicht die Konzepte des Programmierens selbst. Es stellt CL nicht anderen, aktuellen Programmiersprachen oder Konzepten gegenüber, und zeigt auch nicht die Implementation etwas realerer Beispielprogramme.
Dies macht das Buch gleichzeitig zeitlos und etwas abgehoben, denn CL erscheint hier mehr als Geistesübung als Sprache zur Lösung von Problemen. Daher ist zumindest auch noch die Lektüre der Lisp-Bücher von Paul Graham (On Lisp (frei online verfügbar!), ANSI Common Lisp) zusätzlich oder statt dieses Buches zu empfehlen.
Das heisst nicht, dieses Buch ist nicht interessant. Im Gegenteil! Allein die Implementierung eines Lisp-Interpreters in CL ist eine unerwartete Fügung in einem Buch zum Erlernen einer Programmiersprache. Oder kann man sich wirklich die Implementierung eines Python-Interpreters in Python als Thema eines Einführungsbuches vorstellen? Und doch macht dieses Thema bei Lisp einfach Sinn, und so hat der Autor manchmal einfach doch ein gutes Gespür für Themenwahl bewiesen.
Manche, wichtige (!) Dinge wie Scope und Closures sind leider lausig beschrieben - schwer verdaulich, das hätte man definitiv besser machen können!
Ich jedenfalls bereue nicht, dieses Buch gelesen zu haben, und werde es auch solange nicht bereuen, es gekauft zu haben, bis ich ein besseres zum selben Thema habe.
Dieses Buch ist kein Knüller, aber doch eine solide Arbeit, die sich gut liest. Wer Informatik-Fachbücher deutscher Autoren kennt, weiss, dass dies oft genug nicht der Fall ist.
Die Auffassung anderer, die dieses Buch über den grünen Klee gelobt haben, kann ich aber definitiv nicht teilen. Es ist weder das beste Werk zu Lisp, noch z.B. das intuitivste Werk zu funktionaler Programmierung (wie z.B. "Haskell - The Craft of Functional Programming"). Eine neuere Auflage, die die oben genannten Schwächen zumindest teilweise mildert, wäre durchaus angebracht.