Khalids SCJP-Buch in der mittlerweile dritten Auflage gilt weltweit als eines der besten Java-Bücher überhaupt. Inhaltlich gesehen kann ich dem voll und ganz zustimmen, denn es gibt kaum Autoren, die die Tiefen von Java so akribisch genau ausleuchten wie Khalid Mughal & Rolf Rasmussen.
Ein paar Kritikpunkte möchte ich dennoch anbringen. Dem Buch wird des öfteren vorgeworfen, einen akademischen Schreibstil zu besitzen. Was es damit auf sich hat, merkt man jedoch erst, wenn man beginnt, das Buch zu lesen, denn es besteht aus einem trockenen Schreibstil und ist streckenweise genauso langweilig wie die J2EE-Spezifikation. Des weiteren gibt es für meinen Geschmack zu viele Querverweise auf andere Kapitel, was den Lesefluß erheblich stört. Nahezu auf jeder Seite verweisen die Autoren mehrfach auf andere Seiten, und sehr bald geht einem das gehörig auf die Nerven, denn ich habe diese Querverweise nie benötigt und bin diesen auch nie nachgegangen. Das Buch ist in enger Schrift auf dünnem Papier gedruckt. Bei einem Roman wäre mir das egal, aber nicht bei einem Fachbuch, das ich für die Prüfungsvorbereitung benötige. Konnte ich in Kathys Buch noch fleißig eigene schriftliche Anmerkungen hinzufügen und wichtige Stellen mit einem gelben Leuchtstift markieren, so hatte ich bei Khalids Buch diesbezüglich ernsthafte Schwierigkeiten, denn es war einfach zu wenig Platz vorhanden, um selber Notizen ins Buch zu schreiben, und das Markieren mit dem gelben Marker artete bei der kleinen Schrift oftmals in einer filigranen, millimetergenauen Arbeit aus.
Unschlagbar in Sachen Prüfungsvorbereitung sind jedoch die Testfragen, denn es wird im Gegensatz zu anderen Büchern die Anzahl der korrekten Fragen angegeben, so daß der Schwierigkeitsgrad in etwa genauso hoch ist wie in der echten Prüfung. Einige dieser Fragen greifen jedoch Themen auf, die erst später im Buch behandelt werden. Im Grunde genommen sollte man Khalids Buch nicht ohne Vorwissen lesen, denn dies ist definitiv keine Einführung in Java.
Obwohl der Inhalt zweifelsohne Superlative bietet, kann ich nur bedingt empfehlen, das Buch komplett von vorne bis hinten durchzulesen. Wer das trotzdem machen möchte, wird zwar einiges lernen, aber enorm viel Geduld und Ausdauer benötigen. Kathys Buch geht bei weitem nicht so sehr in die Tiefe wie Khalid Mughal, aber Kathys Buch ist wesentlich angenehmer zu lesen, und für die Prüfung absolut ausreichend. Für den SCJP ist Kathys Buch nach wie vor die erste Wahl, aber für die tägliche Arbeit in der Praxis eignet sich Kathys Werk nur bedingt. Khalids Buch dagegen ist das perfekte Nachschlagewerk für den Programmieralltag und eignet sich auch bestens als weiterführende Vertiefung. Ich empfehle daher jedem, der den SCJP bestehen möchte, zuerst Kathys Buch zu lesen, da in diesem Werk einige prüfungsrelevante Dinge schlichtweg einfacher und verständlicher erklärt werden. Zum Beispiel fand ich die Abschnitte über "Backed Collections" und "JavaBean Listener Naming Rules" bei Kathy Sierra besser erklärt als bei Khalid Mughal. Trotz dieser Kritikpunkte ist das Buch von Khalid Mughal & Rolf Rasmussen ein Meilenstein der Java-Literatur, in höchstem Maße anspruchsvoll, und leider auch etwas trocken und langweilig geschrieben.