Sind wir liberal gesinnten Bürgerlichen tatsächlich derart simpel, wie das Bild das Chomsky hier von uns entwirft? Lauter Raffzähne ohne Gewissen, damit beschäftigt die Welt in den Abgrund zu treiben? Natürlich nicht. Und deshalb bekommt das Buch von mir auch mehr als einen Stern, denn allem Anschein nach haben wir ein Darstellungsproblem. Wir sind nicht alle gut, ich bin es auch nicht immer. Aber ein Gewissen für die Belange anderer Menschen nehme ich nicht weniger für mich in Anspruch wie der Autor. Das spricht er mir ab in dem er mich grob plakativ verzerrt mit allem was ihm an dieser Welt nicht gefällt in einen Topf wirft. Bei ihm müssen gute Menschen Sozialisten sein. Bei mir nicht. Ich reise hier gerade durch ein Land das von lauter sozialistischen Gutmenschen ziemlich arg mitgenommen wurde. Die Absicht mag man loben. Das Ergebnis ist verheerend und nur mühsam erholt man sich hier von den Nachwehen einer besseren Welt.
Und in einer Hinsicht unterscheidet sich der Autor leider so gar nicht von seinen Landsleuten: seinem Hang zur Simplifizierung. Das Leben ist bunt und vielfältig und es gibt kein Patentrezept, wie man den großen und kleinen Unglücken beikommen kann. Auch das Gute wird nicht von irgendeiner Ideologie hervorgebracht, sondern von einem jeden von uns, wo er auch steht. Wie Kästner schon sagte: Es gibt nicht das Gute, ausser man tut es. Das ist oft nicht einfach, aber machbar, wenn man hinschaut, selbst nachdenkt und das Handeln dann nicht dem Staat überlässt.