Wo Milliarden im Spiel sind, gibt es auch viele Bücher, wie man am besten zum größten Kuchenstück kommt. Barbara Crole ist also nicht die einzige, die ein Werk über Fundraising vorlegt. Aber sie ist schon lange mit Leidenschaft dabei, hält sich stets über die neusten Entwicklungen auf dem Laufenden und will nicht gleich die ganze Fundraiserwelt auf 160 Seiten darstellen. Ihr Buch gehört für mich klar zu den besseren. Sofern man den Titel ernst nimmt und ihr Werk nicht den Do-it-yourself-Geldsammlern besonders ans Herz legt.
Die Fundraiserwelt unterscheidet sich zwar nicht grundsätzlich von anderen Marketingbranchen, hat aber doch ein paar eigene Gesetze. Geschrieben werde diese eher in kleineren Organisationen und von Menschen, in deren Köpfen ein Restbestand an Abwehr gegen die böse Wirtschaft lagert. Barbara Crole empfiehlt zwar bereits im zweiten Kapitel externe Berater einzubeziehen, gibt auch wertvolle Tipps zum Vorgehen und Evaluieren, geht aber auf das Do-it-yourself-Syndrom in den folgenden Kapiteln nicht mehr ein. Das ist schade, mache ich doch immer wieder die Erfahrung, dass Mailings organisationsintern getextet werden, was meist üble Folgen nach sich zieht. Sprich, weniger Geld.
Nachdem ich auf Seite 12 gelesen habe, dass die Autorin auf alle Spenden-Aufrufe, die ihr ins Haus flattern spendet, waren ihre Leidenschaft und Professionalität keine Frage mehr. Denn es gehört zu den Kennzeichen der Besten, dass sie investieren, sich die Konkurrenz genau ansehen und sich ständig verbessern wollen. Dieser Geist weht im ganzen Buch, macht es so wertvoll und ergriff offenbar auch die Co-Autoren. Da verzeihe ich Barbara Crole die knappe Literaturliste, die Fokussierung auf Deutschland und die nicht mehr ganz frische Theorie des menschlichen Verhaltens gerne.
Mein Fazit: Für Fundraiser, die vor allem auf das Instrument Direct-Mail setzen, ist Barbara Croles Buch Pflichtlektüre. Weil es selbst für Profis noch neue Tipps bereit hält und weil es von einer Praktikerin verfasst wurde, die ihren Job liebt.