Professor Kepesh, der sich nichts Schöneres vorstellen kann, als in einem Hörsaal jungen Menschen die Welt der Literatur zu eröffnen, ist seiner Frau Helen verfallen, einem hohlen Wesen, so eitel wie schön, das den lieben langen Tag nichts anderes mit sich anzufangen weiß als sich zu schminken, zu baden zu pflegen. Kapriziös und anspruchsvoll, die Bluse so voll wie das Gehirn leer, hält sie ihren Mann, einen ambitionierten aber sensiblen Literaturwissenschaftler, Jahr für Jahr in Trab, bis die Ehe schließlich noch einer skandalösen Hongkong Reise auseinander bricht. Verlassen, einsam und ausgebrannt bleibt Professor Kepesh zurück, vergebens versucht er sich mit Tschechow und einer ganzen Galerie von Geliebten zu trösten, ehe er im zweiten Teil des Buches die Lehrerin Claire Ovington kennen lernt, die ihn aus seiner Einsamkeit erlöst. „Ach Claire," sagt der Professor an einer Stelle des Buches: „Es ist als ob die Vergangenheit mir nichts mehr anhaben könnte. Es ist einfach nichts mehr da von dem, was mir Kummer machte. Alle meine Ängste sind verschwunden, und das liegt nur daran, dass ich dich gefunden habe." Ja, ja, so kanns gehen, denkt der Leser, nur schade dass es mir nicht passiert. Das ist im Wesentlichen die Geschichte des Buches, und das ganz am Ende noch Helen Kepesh mit ihrem zweiten Mann auftaucht um Professor Kepesh zum Zeugen ihrer Vernichtung und ihres Unglück aufzurufen, verstärkt nur den Eindruck, es mit einem modernen Märchen zu tun zu haben. Doch es ist ein Märchen, das wie immer bei Philip Roth seine Kraft aus den Details schöpft, aus der Vielzahl von Gedankenblitzen, Verweisen, Aphorismen und Charakterisierungen, die den Leser mühelos in ihren Bann ziehen. Mehr noch: ein wenig geht es den Lesern des vorliegenden Buches wie Professor Kepesh mit Tschechow, sie sehen ihre eigenen Leiden im „Professor der Begierde" abgespiegelt und erfahren eine Katharsis durch die Kraft des Wortes. Danke, Herr Professor. .