Versicherungswirtschaft 59. Jahrgang, 01, Okt. 2004
ARBEITGEBER - Das BDA-Magazin zur unternehmerischen Sozialpolitik, Januar/ Februar 2005
In der Forschungsarbeit der Freien Universität Berlin hat sich der Verfasser mit den Hintergründender Täter und Ihre Motiven in einer rechtswissenschaftlichen Doktorarbeit auseinander gesetzt. Obwohl fast alle Täter früher oder später gefasst werden, versuchen Produkterpresser es immer wieder, vermeintlich leicht an das große Geld zu gelangen. Doch scheitern sie damit durchweg. Der Autor Rechtsanwalt Alexander Marcus Moseschus, Berlin: Produkterpressung ist aus Tätersicht ein ganz schlechtes Geschäft. Das gilt besonders vor dem Hintergrund der hohen Strafen, die Tätern drohen (im Durchschnitt vier Jahre Freiheitsstrafe). Die Arbeit stellt die einzelnen Sanktionsnormen für Täter nach deutschem Strafrecht detailliert da. Für die betroffenen Unternehmen beinhalten Produkterpressungen erhebliche Haftungsrisiken: Primär betroffene Hersteller haben im Zuge ihrer produkthaftungsrechtlichen Verkehrspflichten unter Berücksichtigung technischer und ökonomischer Zumutbarkeitskriterien für eine gewisse Sabotagesicherheit ihrer Produkte zu sorgen. In anderen Staaten (USA) gab es bereits entsprechende Haftungsprozesse zulasten von Herstellern seitens geschädigter Verbraucher. Der Autor warnt: Unternehmen im besonders betroffenen Produktsektor haben Vorsorge dahingehend zu treffen, dass ihre Produkte nicht hinter dem branchenüblichen Sicherheitsstandard zurückgeblieben. Ansonsten können Verantwortlichen in Unternehmen sogar strafrechtliche Konsequenzen drohen, wenn Verbraucher Gesundheitsschäden durch Produktsabotagen erleiden. Dieses Risiko ist Verantwortlichen auf Produzentenseite offenbar noch nicht hinreichend bewusst. Vor dem Hintergrund einer sich stetig verschärfenden, zunehmend auch europarechtlich, geprägten Produkthaftung zeigt die Untersuchung Haftungsrisiken für Unternehmen auf und gibt im Rahmen einer taktisch-kriminologischen Betrachtung Hinweise für den Umfang mit Erpressern in der Krise. Mit dem vom Verfasser aufgezeigten Problem- und Haftungsfeldern sollte sich die primär betroffene Nahrungsmittelindustrie künftig verstärkt auseinanderzusetzen, so der der Betreuer der Forschungsarbeit, Univ.-Prof. Klaus Geppert (FU Berlin). Dies gilt gerade auch vor dem Hintergrund denkbarer terroristischer Produktkontaminationen.
Kurzbeschreibung
Die Täter des Kriminalphänomens, ihre Motive sowie Hintergründe dieser besonderen Form von Erpressungs-kriminalität zum Nachteil von Wirtschaftsunternehmen werden untersucht und eine Anwendbarkeit der deutschen Strafrechtsnormen auf die einzelnen Tathandlungsweisen diskutiert.
Der Autor stellt weiter in Rahmen einer Krisenmanagement-Betrachtung heraus, dass Lebensmittelsabotagen für betroffene Unternehmen erhebliche Haftungsrisiken beinhalten: Primär betroffene Hersteller haben im Zuge ihrer produkthaftungsrechtlichen Verkehrspflichten unter Berücksichtigung technischer und ökonomischer Zumutbarkeitskriterien für eine gewisse Sabotagesicherheit ihrer Produkte zu sorgen.
Die Untersuchung gibt Hinweise für den Umgang mit Erpressung und zeigt Handlungsempfehlungen für den Ernstfall auf. Gerade vor dem Hintergrund denkbarer terroristischer Produktkontaminationen sollte sich besonders die primär betroffenen (Nahrungsmittel) Industrie mit den dargestellten Problemfeldern näher auseinandersetzen.