Ich finde es immer eine runde Sache, eine literarische oder wissenschaftliche Arbeit zu lesen, die ihr Thema erschöpfend behandelt, und das Gefühl zu haben, dass nichts Wesentliches ungesagt blieb - aber auch nichts Unwesentliches gesagt wurde. Diese Dissertation über das Thema Produkterpressung gehört dazu. Wer sie gelesen hat, kennt alle Aspekte dieses Phänomens - kriminologische, rechtliche und kriminalistische, wobei der letztere sicher der interessanteste ist. Vor allem der, dass dieses Verbrechen sich noch weniger lohnt als die meisten anderen. Spätestens bei der Geldübergabe scheitern praktisch alle.
Die Schäden, die ein Produkterpresser verursacht, können dennoch immens sein, selbst wenn der Täter - wie häufig - sein Vorhaben unterwegs aufgibt. Moseschus arbeitet heraus, dass Handels- und Produktionsunternehmen solcher Güter, die typische Ziele von Produkterpressern sind, fahrlässig handeln, wenn sie keine Vorsorge- und Maßnahmepläne für den Fall der Fälle getroffen haben. Dazu dürfte gehören, dieses Buch zu kaufen, was wohl auch seinen horrenden Preis erklärt (ich habe es mir in der Staatsbibliothek besorgt).
Auf jeden Fall ist dieses Werk interessanter - und selbst stilistisch gelungener - als Alfred Hellmanns Kriminalroman
Vor den Hymnen, der sich anscheinend aus Moseschus' Arbeit seine Ideen geholt hat. Die Realität schreibt eben immer noch die besten Krimis.