Am 3. Juni 2001 gaben sich Darsteller und künstlerische Leitung des Mel Brooks Musicals "The Producers" bei der Tony Awards Verleihung in der New Yorker Radio City Music Hall reihenweise die Klinke in die Hand: Bestes Buch (Mel Brooks, Thomas Meehan), Beste Partitur (Mel Brooks), Bester Hauptdarsteller (Nathan Lane), Beste männliche Nebenrolle (Gary Beach), Beste weibliche Nebenrolle (Cady Huffman), Beste Regie (Susan Stroman), Beste Choreographie (Susan Stroman), Beste Bühne (Robin Wagner), Beste Kostüme (William Irvey Long), Beste Beleuchtung (Peter Kaczorowski), Beste Orchestrierung (Doug Besterman) und natürlich Bestes Musical! Gleich 12 Auszeichnungen für den sensationellen Broadway-Hit nach Mel Brooks gleichnamigen Kultfilm aus dem Jahre 1968, der in Deutschland den Titel "Frühling für Hitler" trug.
Ja, richtig gehört! In dieser bitterbösen Satire über Broadway Hits und Flops wird so ziemlich jeder gnadenlos durch den Kakao gezogen, ob Iren, Schwarze, Schwule, Frauen (es gibt nur zwei Kategorien: alte, schrullige Damen oder Sexobjekte) und natürlich wir Deutschen .
Doch mit politisch korrekter Vergangenheitsbewältigung hat dieses Musical rein gar nichts zu tun und durch den skurrilen, irrsinnig komischen Ton eines Mel Brooks erlebt man köstliche Unterhaltung pur ohne wirklich Anstoß an dem weit unterhalb der Gürtellinie ansetzenden Humor zu nehmen.
Für diesen grandiosen Schwachsinn zeichnet sich Mel Brooks in Buch, Text und - man höre und staune - Musik verantwortlich! Auch wenn die vorliegende CD-Einspielung mit ihren über 70 Minuten Laufzeit einen leider nicht kompletten Handlungsablauf repräsentiert (hier muss man das ausführliche Booklet inkl. vollständigem Libretto und netten Bühnenfotos bemühen), wird das unschlagbare Talent von Mel Brooks doch mehr als überzeugend in den schönen old-fashioned Songs im Stil der alten Broadway-Revuen mit Anklängen an Fred Astair oder Judy Garland deutlich.
Ein bayerischer Schuhplattler ("Der Guten Tag Hop-Clop"), das mit Gehhilfen der alten Damen gesteppte "Along Came Bially", dem orchestral-orgastisch überladenen "Springtime For Hitler" mit den schönsten "Heil Adolf Elisabeth (?) Hitler"-Rufen der Nachkriegsgeschichte, der wunderbaren Buddy-Ballade "'Til Him", der beindruckenden Vorstellung von Miss Sweden ("When You Got It, Flaunt It") oder der gute-Laune-Hit "Keep It Gay" - alles ist beste und erstaunlich vergnügliche Unterhaltung der Extraklasse, wie man sie nach den tragisch durchkomponierten Musicals von Schönberg oder Webber schon lange nicht mehr gehört hat.
Wen stört es da schon, dass die begnadeten Hauptdarsteller vielleicht nicht wirklich perfekte Stimmen haben, wenn ein großes Orchester mit viel Power und Drive kraftvoll aufspielt und die Songs ständig durch witzige Dialogpassagen aufgelockert werden. Wie sagt Max als Erfolgsproduzent in gebrochenem Deutsch doch so trefflich: "Maxella, alle menschen muss zu machen, jeden tug a gantzen kachen!"
Fazit: Beste Broadway-Unterhaltung mit deftigen Sprüchen im vergnüglich leichten Revuestil!