Dieses Lehr- und Lernbuch zur Systemischen Beratung und Psychotherapie mit seinen 14 mehrfach untergliederten Kapiteln, 80 Fall-
beispielen, 12 Tabellen, 65 Abbildungen u.a. wird von Prof. Dr. Dr. Helm Stierlin als ... inhaltsreich, kompetent und spannend geschrieben, didaktisch gut geordnet und durchdacht..." charakterisiert und entsprechend empfohlen, dass ist gut so !
Der Autor unterscheidet häufig nicht zwischen Beratung und Psychotherapie (z.B. S. 25, 401 u.a.) was sinnvoll und angemessen sein kann und dennoch irretiert. Es werden viele Begriffe definiert, ohne das die Unterschiede zwischen Beratung und Psychotherapie deutlich gemacht werden. Schließt die systemische Sichtweise diese Unterscheidungen aus?
Nach einer umfassenden Erörterung im 2.Kapitel: Systemische Beratung - Was ist das" folgt die ausführliche Darstellung Systemischer Grundprinzipien" im folgenden Kapitel. In diesem sehr interessanten Abschnitt erklärt der Autor Prinzipien (z.B. P. der Isomorphie und die Notwendigkeit zu therapeutischer Devianz; P. der Kooperation u.a.)und gleichzeitig werden pragmatische Grundsätze, Regeln, Hauptsätze, Oberste Ökosystemische Gesetze, Übergeordnete Prinzipien diskutiert, ohne das dem Leser möglicherweise ein System von Zuordnung, Hierarchie und begrifflicher Unterscheidung ausreichend transparent wird. Die Ablehnung des pathologischen Widerstandskonzepts (S. 182) wird im Punkt Umgang mit Widerstand" (S.121) erörtert. Auch hier werden Ableitungen für die pragmatische Umgangsweise (S. 124) mit Abwehr und Verdrängung angedeutet, ohne das ausreichend verständlich wird, was die Systemische Vorgehensweise darunter versteht. Diese Begriffe beinhalten in anderen Wissenschaftsdisziplinen (z.B. Psychoanalyse) klare theoretische Konzepte.
In den folgenden Kapiteln werden u.a. die Familie als besonderes System,Auftragsklärung und Zieldefinitionen, das Setting, die Struktur der systemischen Psychotherapie und Beratung u.ä. erörtert. Besonders beachtenswert ist das 9. Kapitel:Systemische Interventionen", welches für Praktiker eine Vielzahl von Anregungen enthält. In diesem Abschnitt werden auch Vorgehensweisen (z.B. Rückfall-Prophylaxe u.a.) in der Behandlung von Suchtkranken aufgezeigt. In der Arbeit mit Süchtigen treten häufig bestimmte Themenbereiche (z.B. Missbrauch,gewalttätiges Verhalten, Suizid, Trennungen, Abtreibungen u.a.) auf. Zu all diesen Themen stellt der Autor Überlegungen und Erfahrungen dar und diskutiert sie ansatzweise. Die Ausführungen im 12. Kapitel: Zur psychiatrischen Problematik", einschließlich zur Logik des Wahn-Sinns (S. 429) sind mutig, neuartig und sicher weiter diskussionswürdig.
Abschließend formuliert der Verfasser Rat-Schläge zur Konstruktion, Verschlimmerung und Chronifizierung von Problemen" (S. 447), welche für den Leser unterhaltsam und irritierend, im positiven Sinne, sein können.
TherapeutInnen die der Empfehlung von Irvin D. Yalom: Kreieren Sie für jeden Patienten eine neue Therapie" folgen wollen, kommen an der systemischen Psychotherapie nicht vorbei.
Allen LeserInnen, welche sich für Beratung und Psychotherapie interessieren, diese möglicherweise auch praktizieren, ist dieses Buch zum Erlangen neuer Wahrheiten" und Perspektiven nachhaltig zu empfehlen.
Dr. W. Kursawe (Koeln)