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Das aber wäre er nie geworden, hätte er sein Leben lang als Solist brummen, nölen und haarscharf an der Melodie entlang croonen müssen. Als Beweis diente das '98er Soloalbum Lord Garbage, auf dem Boas langjähriger vokaler Widerpart Pia Lund schmerzlich vermisst wurde. Nach der privaten Trennung hatte Phillip Boa auch einen musikalischen Schlussstrich gezogen und im Zuge des Reinemachens auch gleich seine Band, den Voodooclub, in Pension geschickt.
Kaum zwei Jahre nach der "endgültigen Trennung" sind sowohl der Voodooclub als auch das Prinzip des weiblichen Gesanges wieder Bestandteil von Boas Klangwelt, auch wenn die aktuelle Sängerin Alison Galea heißt und im Hauptberuf beim Power-Pop-Trio Beangrowers singt. Boa selbst aber hat durch diesen Schritt endlich jene unausweichliche Melodienseligkeit zurückgewonnen, die man auf Lord Garbage sehnsüchtig vermisst hat.
Endlich ist ihm auch eine organische Verbindung gelungen zwischen den harten Gitarren der Vergangenheit und jenen zeitgeistigen Elektro-Sounds, die er sich zuletzt in einer Kraftanstrengung von Produzent Gareth Jones auf den Leib sampeln lassen wollte. Heute aber schreibt Boa Songs wie "Rome In The Rain" als zeitlose Popnummer, die nicht auf eine Phase im Leben des Künstlers verweisen muss, um ihre Daseinsberechtigung zu erhalten.
Boa setzt die Energie verzerrter Gitarren so wohldosiert ein, dass aus dem Opener "So What" der gezielte Nadelstich gegen seine Intimfeinde werden kann, ohne dass dadurch eine Ballade wie "As You Walk By" einen Glaubwürdigkeitsverlust erleidet. Boa wird nicht mehr von der Zwangsvorstellung verfolgt, sich selbst wie auch die Popmusik im Fünf-Minuten-Takt neu erfinden zu müssen -- ein Trieb, der ihn in früheren Zeiten oft gnadenlos vom eigenen Qualitätsanspruch abdriften ließ (siehe das Metal-Projekt Voodoocult oder die angestrengte Elektro-Platte She).
Endlich kann er sich zwanglos und in aller Gediegenheit der Vorstellung hingeben, er sei der letzte viktorianische Dandy der Neuzeit, der Oscar Wilde des Indie-Pop, dem auch das kleinste Geschehnis eine hoffnungslos schwülstige Metapher wert ist. Boa adaptiert die wütenden Gesten der jungen Jahre mit dem Understatement des gereiften Mannes und dank dieser Ehrlichkeit mit sich selbst ist er in der Lage, sein bestes Album seit sehr, sehr langer Zeit zu produzieren -- auch wenn es mit dem Singen wieder nicht geklappt hat... --Björn Döring
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