Nach drei Staffeln Superspannung, in denen man es kaum erwarten kann, die nächste Folge zu sehen, muss man sich plötzlich zwingen die Folgen zu Ende zu sehen.
Dabei fängt die Staffel vielversprechend an. Michael, Lincoln und wer noch aus der dritten Staffel übrig geblieben ist, handeln mit dem FBI-Agenten Self einen Deal aus: Sie beschaffen "Scylla", ein Kompendium umwälzender Erfindung zur Energiegewinnung, das sich auf sechs Speicherkarten verteilt in den Händen der Company befindet und erhalten im Gegenzug Straffreiheit. Jede Karte hält ein Führungsmitglied der Company. Michael & Co gelingt dieses Kunststück innerhalb weniger spannender Folgen im alten Stil. Kaum sind alle Speicherkarten beisammen stellt sich heraus, dass Agent Self sie betrogen hat und der Deal platzt. Auf sich alleine gestellt fliehen sie vor dem FBI und der Company und versuchen "Scylla" wieder in die Hände zu bekommen.
Die Story wartet mit wenig neuen Ideen auf und hat mehr offene Enden als ein Teller Spaghetti. Mit ermüdender Geschwindigkeit werden Bündnisse geschlossen und verraten, mit schlafwandlerischer Sicherheit tappt Linc in eine Falle nach der nächsten, dass man Michaels Geduld mit seinem schwachsinnigen Bruder wirklich bewundern muss.
Auch die Wendung, die für tot geglaubte Mutter von Michael wie ein Deus ex Machina aus dem Nichts auftauchen zu lassen, schafft keine Spannung. Mrs. Scofield sen. entpuppt sich als im Urwald verschollenes, gehirngewaschenes und geldgeiles Führungsmitglied der Company, die jetzt auf dem Höhepunkt ihrer Menopause einen Weltkrieg entfachen will. Nach jedem fehlgeschlagenen Anschlag auf Michaels Leben entdeckt sie in jeder Folge wenigstens einmal ihre mütterlichen Gefühle für ihren Sohn, denen sie in einem dramatischen Mutter-Sohn-Gespräch Ausdruck verleiht. Ihr Mutterherz kühlt schnell wieder ab, wenn Michael wieder einmal erfolglos versucht, seine Mutter mit einer aus einem Lockenstab, einem Hühneraugenpflaster und einer Prise Rohrfrei rasch gefertigten Bombe detonieren zu lassen.
Allenfalls Freudianer dürften bei den Versuchen der beiden, sich gegenseitig umzubringen, begeistert in die Hände klatschen.
Währenddessen fuchteln sich die anderen mit ihren Knarren vor der Fresse herum und sprechen unglaubwürdige Drohungen aus - wobei man seit der Supernanny eigentlich weiß, dass Drohungen irgendwann nichts mehr bringen, wenn sie keine Konsequenzen haben - und liefern sich Dialoge, die selten über ein Niveau à la Lindenstraße hinaus kommen.
Insgesamt ein enttäuschendes Ende einer Serie, die toll angefangen hat und mit der letzten Staffel ein würdeloses Finale vorlegt, das einen herzlich kalt lässt. Zuletzt wünscht man sich nur noch, dass Michael endlich der Geduldsfaden reißt und Tabula Rasa mit seinem Team macht und mit Gretchen glücklich und zufrieden bis ans Ende seiner Tage lebt.
FAZIT:
Geeignet für alle Serienfans, die im "Denver Clan" den regelmäßigen Gebrauch von großkalibrigen Handfeuerwaffen vermissten, die "Torchwood" für eine Wissenschaftsdoku halten und denen es bei "Reich und Schön" zu turbulent zugeht.