Ich habe es erst im dritten Anlauf geschafft, das Buch zu lesen und auch wirklich bis zum Ende zu lesen.
Der Roman beginnt sehr zäh. In epischer, märchenhafter Breite wird die jüngste Geschichte (der Tod der beiden Väter) der beiden Familien erzählt. Um durchzublicken, wer wer ist und wer mit wem wie verwandt ist, habe ich mir einen kleinen Spickzettel ins Buch reingeschrieben. Nervig fand ich am Anfang auch, dass sich in jedem Kapitel ständig die Erzählperspektive ändert; einmal erzählt Anju, dann wieder Sudha. Ich hatte genug damit zu tun durchzublicken wie die Verwandtschafts-und Beziehungsgeflechte miteinander zusammenhängen, so dass das ständige Hin-und Herspringen noch zusätzlich zur Verwirrung beitrug.
Richtig spannend wird die Geschichte erst als die beiden Cousinen Anju und Sudha erwachsen sind.
Um die Sorge um die beiden jungen Frauen loszuwerden und die Töchter wohlversorgt zu wissen, beschliessen die Mütter, falls einer von ihnen etwas passieren sollte, sie rasch gut zu verheiraten.
Anju hat Glück. Sie liebt den ihr zugedachten Mann. Die beiden gehen nach Amerika und dort erfüllt sich sogar Anjus Herzenswunsch: Sie kann zum College gehen. Aber ganz ungetrübt ist Anjus Glück nicht; der Zweifel ob ihr Mann wirklich sie liebt oder doch heimlich ihre schöne Cousine, nagt an ihr.
Sudha hat weniger Glück. Um Anjus Hochzeit nicht zu gefährden, deren Schwiegereltern sehr traditionsbewußt sind, verzichtet Sudha auf ihre große Liebe und heiratet den ihr zugedachten, aber ungeliebten Mann. Natürlich wird Sudha nicht glücklich, obwohl sie sich bemüht und sich dies auch selbst einredet. Als Sudha schließlich schwanger wird, soll sie gezwungen werden, das Baby abzutrieben, weil es "nur" ein Mädchen ist. Da endlich erwacht Sudha aus ihrer Trance und flieht zurück ins Haus der Familie. Sie bringt ihr Baby zur Welt, wird geschieden, begegnet ihrer großen Liebe wieder und verliert sie wieder.
Ein großer Familienroman, in dessen Mittelpunkt die beiden Cousinen Anju und Sudha stehen. Wenn man den zähen, langwierigen Anfangsteil (der sich über mind. 70 Seiten erstreckt) erst mal geschafft hat, kommt die Geschichte in Schwung, wird spannend und abenteuerlich.
Farbenprächtig entsteht das Bild einer traditionellen indischen Familie, die sich inmitten der Moderne noch stark den alten Traditionen verhaftet fühlt. Ein Buch, das sich erst sehr langsam und zäh entwickelt (wie gesagt, ich habe drei Anläufe gebraucht, um es zu Ende zu lesen), aber dann wirklich lesenswert ist.