38 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
In wilden Träumen..., 21. Oktober 2005
„Da dehnen sich des Ostlands Wälder, uralt, geheimnisvoll in wilden Träumen, Waldgeister weben in dem Dunkel..." (abgewandelte nach der Widmung zu Sibelius symphonischer Dichtung „Tapiola")
In der Tradition seines eigenen Zeichentrickklassikers „Nausicaä" greift Miyazaki mit diesem Meisterwerk wider einmal den uralten Konflikt zwischen ungezügelter Natur und menschlicher Zivilisation auf und erschuf gemeinsam mit Studio Ghibli ein von grandiosen Landschaften getragenes Epos. Der Einfluss Kurosawas, dem großen Bildmagier des japanischen Kinos, auf den Regisseur scheint unverkennbar (etwa in den geschwungenen Linien der Japanischen Berge, die stellenweise 1:1 aus dem grandiosen Spätwerk RAN entnommen zu sein scheinen). Episches Kino wie es der Zeichentrick- und Realfilm nur selten hervorzubringen vermag.
Mononoke führt uns in ein lange entschwundenes Waldreich, gewoben aus Mythen und Legenden. In den flirrenden Schatten des Blätterdaches leben Geister und Dämonen in Tiergestalt, riesige Wildschweine, weiße Wölfe und der große Gott des Waldes, ein hirschartiges Wesen unergründlicher Macht. In diesem sich scheinbar von Horizont zu Horizont dehnenden Waldland wirken die ersten Anzeichen der beginnenden menschlichen Zivilisation noch wie bedrohte kleine Insel in einem grünen Ozean. Doch ein Umbruch ist im Gange, die industrielle Revolution mit seinen Schmelzöfen und seinem Hunger nach Brennstoff beginnt sich wie ein Krebsgeschwür in die Wildnis zu fressen. Die Macht der alten Götter schwindet, die Waage senkt sich zugunsten der landhungrigen Menschen. Diese neu geschaffene Welt, losgelöst von den Gesetzten des Waldes, entfremdet seine Bewohner zunehmend von der Natur. Die umgebenden Wälder sind nur noch bedrohliche Wildnis, die Bäume eine Ressource des Fortschritts. Angst prägt das Handeln, sie zerstören lieber das Fremde was sie umgibt, als es zu begreifen. In dieser neuen Welt ist kein Platz für verschlungene Wälder und Tierdämonen. Doch bei dieser monochromen Sicht auf die Welt „Mononokes" lässt es der Film nicht beruhen (dies ist schließlich kein Disney), denn die Zivilisation bringt in Form der Eisenhütten der Herrin Eboshi nicht nur blinde Zerstörung. Daneben führt sie auch zur Abkehr von verkrusteten Gesellschaftsformen, strengen Hierarchien und Kasten. Die industrielle Revolution leitet gesellschaftliche Umbrüche ein, die wir mittlerweile in unserer westlichen Welt als selbstverständlich betrachten. Das feudale System eines mittelalterlichen Japans, Hunger und Not, werden bezwungen. Errungenschaften die das harte Leben des einfachen Volkes erträglich machen. So kann der Zuschauer der Herrin Eboshi letztendlich nicht allzu böse sein, denn sie verkörpert den Urgrund auf dem unsere moderne Gesellschaft errichtet wurde. Sich ihrer schwindenden Macht nur zu bewusst, entschließen sich einige der Naturdämonen zu einer letzten Verzweiflungstat und es droht ein Krieg zwischen Menschen und Wäldern, den keiner wirklich gewinnen kann.
Zum Ende meiner positiven Kritik muss ich jedoch noch auf einen kleinen Wermutstropfen hinweisen. Wieder mal scheint das Finale (ähnlich Miyazakis „Chihiro") etwas aufgesetzt und in sich nicht ganz schlüssig. Die Vermutung liegt nahe, dass die Methode der frei assoziierenden Entwicklung der Story, die charakteristisch für die Arbeit des Regisseurs zu sein scheint, im Verlauf der Verfilmung kein rundes Ende zuließ. Das bewusste Nichtbeantworten zuvor aufgeworfener philosophischer Fragen, das Pflegen eines Tiefe vortäuschenden Nimbus des Geheimnisvollen, ist ja ein typisches Stilmittel des japanischen Anime. Die grandiose Bildgewalt und atmosphärische Dichte dieses Zeichentrickepos (meiner Meinung nach die größte Stärke des Animes) trösten mich aber über diese Schwächen hinweg. Und im Übrigen... Der mystische Wald des Hirschgottes übt auf mich persönlich einen ganz eigenen besonderen Reiz aus, vielleicht liegt dies auch an meiner forstlichen Ausbildung, die mir diese Welt der Bäume auf emotionaler Ebene besonders nahe bringt.
Aufgrund teils für einen Zeichentrickfilm (nach westlich geprägter Vorstellung) ungewöhnlich heftiger Gewaltdarstellung mit FSK 12 versehen, ist dies eher ein Film für die etwas älteren Kinder und erwachsene Trickfilmfans. Da aber die wesentliche Zielgruppe für Animationsfilme in unseren heimischen Kinos immer noch Kinder bis 12 Jahren sind, blieb „Prinzessin Mononoke" in der westlichen Welt ein kommerzieller Erfolg verwehrt. Von einer durch alle Altersgruppen getragenen Trickfilmkultur, wie sie in Japan existiert, sind wir in Europa eben noch meilenweit entfernt.
Kritiker die also meinen das die hier gezeigte Gewaltdarstellung unnötig sei, da sie den Film für Kinder ungenießbar (und damit zum Kassengift) mache, haben nicht verstanden welches Potential in Trickkunst jenseits der kindlichen Disneydoktrin noch verborgen liegt.
Zur Umsetzung der DVD:
Die Ausstattung der DVD ist etwas dürftig geraten, aber wenigstens ist der japanische Originalton vorhanden. Die deutsche Synchronisation wirkt ganz ordentlich, wenn sie auch nicht ganz an das Original heranreicht. Der größte Schwachpunkt liegt in der Bildqualität, die leider noch deutlich verbesserungsfähig ist. Die Schwächen des Bildes sind aber nicht so gravierend, dass sie für mich wesentlich den Filmgenuss stören (habe halt keinen Beamer). Aufgrund des gebotenen grandiosen Epos, kann ich also nur eine uneingeschränkte Kaufempfehlung geben!
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26 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Super DVD, 13. April 2006
Fast hätte ich den Film nicht gekauft, da die Qualität ja superschlecht sein soll. aber wie bei Amazon üblich stimmt das nicht im geringsten, wo ja jedes Staubkorn als superschlechte DVD bezeichnet wird. Das Bild ist sehr scharf, die Farben ragen nirgends heraus und die Musik ist nicht so laut. Man versteht alles wunderbar.
Zum Film muss man nicht viel sagen, da er einfach super ist!
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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Schlicht ein Geniestreich!!!, 23. Dezember 2001
Äußerlich mag "Prinzessin Mononoke" ja sämtlichen Vorurteilen über japanische Trickfilme, auch als Animes bekannt, recht geben: die Protagonisten haben große, niedliche Augen und an übertrieben anmutenden Gewaltdarstellungen mangelt es ebensowenig. Doch der Schein trügt: Hayao Miyazakis Epos über Liebe, Krieg und die Ausbeutung der Natur durch den Menschen ist einer dieser seltenen Filme die sowohl vollkommen klischeearm als auch anspruchsvoll und trotzdem gleichzeitig unterhaltsam sind.
Inhaltlich wechselt "Prinzessin Mononoke" von ruhigen Momenten zu spannenden Szenen über, und auch Zeichnerisch wird gekonnte Arbeit geboten. Besonders löblich die erkennbare Mühe und der Verzicht aus allzuviele Spielereien mit dem Computer - tatsächlich wurde gerade bei den computeranimierten Szenen viel Wert darauf gelegt, diese durch spezielle Software wie gezeichnet erscheinen zu lassen. Hinzu kommt ein phantastischer Soundtrack, der die Stimmung perfekt einfängt und den Zuschauer nicht weniger fesselt wie die Story und die glaubwürdigen Charaktere es tun.
Tatsächlich gibt es aber etwas zu bemängeln, wenn zwar nicht am Film selbst, dafür aber an der DVD: das "Bonus-Matereial" befasst sich nur mit der erbärmlichen englischen Synchro und besteht überwiegend aus Interwievschnippseln der (prominenten) Sprecher und Übersetzer, ein Making-Of ist es also nicht wirklich. Zudem ist die englische Synchro, wie bereits erwähnt, allein schon wegen der "literarischen" Übersetzung Schwindelerregend: so werden an einigen Stellen Mono- und Dialoge unnötig in die länge gezogen, bzw. dort, wo keine existieren, welche eingefügt, um die Story auch für Unterbelichtete zu erläuter, was besonders in der Stimmungsvollen Einleitungssequenz nervötend ist. Immerhin ist noch der französische und der Originalton inklusive gut übersetzter Untertitel dabei, womit man leicht über die verhauene U.S.-Synchro hinwegkommt. Bleiben noch die wichtigsten Vorteile der DVD, nämlich die lange Halbwertszeit und das gute Bild und der ausgezeichnete Ton. Somit kann man sich den Film noch mit seinen Enkelkindern ansehen - das Thema bleibt stehts Zeitlos.
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