Alle die erwarten, dass "Princess of Mars" nur annähernd in das Gehege von "Avatar" vorstößt, werden tatsächlich ihr persönliches blaues Wunder erleben. Oder eher ein Rotes. Nix Pandora-Dschungel, hier gibt`s Wüste. Ist ja auch billiger:-)
Einzige Gemeinsamkeit, dass ist nicht gelogen, ist die Tatsache, dass James Cameron in früher Jugend voller Begeisterung die pulpige Romanvorlage "John Carter of Mars" verschlungen hat, und das grobe Storygerüst, nämlich das Eintreffen eines Helden in eine fremde Welt, der sich mit einer ausserirdischen Rasse gegen ihre Unterdrücker verbündet und bekämpft, eigentliche Grundlage für "Avatar" ist (also nicht der mit dem Wolf tanzt!).
Das wirklich Lustige ist folgendes: "John Carter of Mars" wird zur Zeit von Pixar produziert, als erster Realfilm der Animationsschmiede. Man mag sich durchaus vorstellen können, dass es ähnlich wie bei den Rezensionen von "Avatar" grandioses Chaos geben wird. Die einen werden meinen: Boah, von Avatar abgekupfert.", die anderen: "Schon wieder Pocahontas / DmdWt."
Ich denke schon jetzt mit Grauen daran....
Das vorliegende Machwerk, produziert von unseren Freunden von "The Aslyum" - einem Garant für mögichst ambiotionierte, aber meist vollkommen dilletantisch umgesetzte Vorhaben (vor allem, was Kopien von Blockbustern angeht, den sog. "Mockbustern"), keinem Budget, schlechten Effekten und kaum vorhandenem Talent in jeglichen Bereichen der Filmemacherei ist nahezu eine 1:1 Kopie der Ursprungsvorlage, nur eben in schlecht. Aber Spaß macht es schon, zumindestens jemandem, der weiss, worauf er sich einlässt: SciFi-Trash für Hartgesottene.
Hier ein Vorgeschmack - die ersten 20 Minuten im Überblick:
John Carter ist ein richtig toller Elite-Soldat. Deswegen wird er in Afghanistan eingesetzt, um irgendetwas in die Luft zu sprengen, oder irgendwelche wichtigen Ziele auszuschalten. Doch, oh Schreck, es kommt zu einem Zwischenfall bei dem John-Boy schwer verletzt wird. Daraufhin wird in einer sechs Millionen Rubel teuren Operation - moment, das war woanders, ach, das bringt mich auch alles so durcheinander...
Also, das läuft folgendermßen ab, und man sollte es sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen:
John liegt also mit seinen Verbänden auf einem billigen Bett herum, und ein geheimnisvoller Befehlshaber der Armee eröffnet ihm, dass er bald sterben wird. Seinen Körper hat er ja auch der Army überschrieben.
Aber, das macht alles eh nichts, denn man hätte seinen kompletten DNA-Bauplan mit ellem Drum-und-dran auf einen 16-Gigabyte-USB-Stick gespeichert, und man diesen mit einer Sendenanlage codiert auf einen fremden Planeten namens Mars251schlagmichtot bei Alpha (oder war`s Beta?) Centauri herübersendet, um die Lage dort mal locker abzuchecken. dann gibt es ein Licht - und paff - liegt ein nackter John Carter direkt irgendwo in einer Wüste mit extrem schlechten CGI-Planeten-Hintergründen herum. Ankunft abgefertigt. Ein Knaller! Irgendwie bewundere ich die Macher, dass sie dieses Kappes vollkommen straight durchziehen, und dass, ohne mit der Wimper auch nur leicht zu zucken. Für mich war das eher "Shock & Awe"-Prinzip. Aber lustig isses!
Ab jetzt findet alles in der kargen Wüste statt, die man schön rot gefiltert hat. John Carter hat auf dem tollen Planeten grössere Körperkräfte und kann mittels einer extrem bescheuert aussehenden Animation gefühlte anderthalb Kilometer weit springen.
Und es dauert nicht lange, da tauchen die Pappkameraden auf. Die heimischen "Marsianer" müssen sehr oft auf den Kopf gefallen sein, alles krumm und schief - und ihre Masken sind bedingunglos dem nicht vorhandenen schauspielerischen Können der armen Würste, die sie tragen müssen, ausgeliefert. Hinzu kommt die schlimmste Brabbelsprache, die ich je vernommen habe. das Ergebnis stellt sich dermaßen lustig dar, das man aus dem Lachen nicht mehr herauskommt.
Die Marsmenschen habe auch tolle Waffen, sie ähneln frapierend kleinen "Piuh! Piuh!"-Spielzeug-Gewehren für maximal Achtjährige.
John Carter wird zunächst von den "Pappigen" gefangengenommen, aber ein Wink des Schicksals beschert ihm die Möglichkeit, den Ausserirdischen in einer stümperhaft animierten und geschnittenen Sequenz, den Allerwertesten zu retten. Fiese Insektenmonster greifen an. Carter bekommt eins der fantastischen Allround-Kaputtmach-Gewehre (die scheinbar keine Munition brauchen, aber es gibt ja auch kein Mündungsfeuer) zugeschustert, und auf einmal sind alle Viecher tot. Vielleicht tun sie auch nur so, stellen sich tot, bis die Deppenmarsianer endlich abgehauen sind.
John Carter ist jetzt ein toller Hecht, und als er Durst hat, bekommt er von seinem neuen Freund "Schiefmaske Nummer 1" höchstpersönlich seinen eigenen Schweißlappen , den er unter der Kleidung trägt, um fremenmässig Wasser aufzufangen, in die Hand gedrückt, damit er mal sauberes Wässerchen trinken kann. Fantastisch.
Bald kommen die wackeren Wackelköppe dann zu einer Burg, John muss einen feinen Brei essen, der von einem weiblichen Alien erbrochen wird. Dann noch ein leckeres insekt dazu, und endlich kann John mit seinen neuen Freunden aus der Altkleidersammlung ein Schwätzchen halten.
Ab diesem Zeitpunkt kämpft dann John zusammen mit seinen Schiefköppen um das Wohl des Planeten. Es gibt noch eine menschliche Rasse, die in schlecht animierten "Jabba-dabba-du"-Barken angeflogen kommen, aber nichts sonderliches bewerkstelligen, ausser ständig Probleme mit der dargestellten Größe zu haben.
Die müssen jetzt mit Gewalt davon überzeugt werden, dass Frieden schon eine feine Sache ist. Deswegen kidnappt John die namensgebenden Prinzessin vom Mars (Traci Lords, wird langsam alt), und ein Abenteuer voller unglaublicher Idiotie nimmt seinen Lauf.
Ein absoluter Mumpitz von Film, der hier geboten wird. Unglaublich in jeder Facette des Dargestellten!
Und gerade wegen der Debilität, der unfreiwilligen Komik, einfach allem, macht er einen Heidenspaß, deswegen von mir drei Sterne. Trashliebhaber greifen zu, alle anderen entfernen sich augenblicklich aber extrem unauffällig, denn für sie wäre diese Wertung beleidigend. Also, vorsicht.
Die DVD ist übrigens solide, aber nix Besonderes. Zweckmässig und ausreichend für solch eine Knallcharge von Film.